Kategorie: Round Trip

Zwölf Mal in Folge wurde Norwegen zum lebenswertesten Land der Welt gekürt. Die Süddeutsche Zeitung vermutete sogar, dass hier der Liebe Gott zu Hause sei. Zeit, einmal nachzuschauen …

Schon beim Packen wird klar, dieser Trip wird anders. Neben Bikini und Flip Flops stapeln sich dicke Wollpullover, eine Re­genjacke und feste Wanderschuhe. Die Wettervorhersage für Ålesund am kommenden Montag reicht konkret von 5 Grad Minimum bis 24 Grad Maximum, Sonne und Regen.

Als ich mit 40 Minuten Verspätung in Oslo lande, fühlt es sich erst einmal nicht so an, als wäre ich beim Lieben Gott auf Wolke 7 gelandet, sondern direkt in der Zukunft. Licht­durchflutete Gänge mit grauen Marmorböden, über mir ein kühn geschwungenes Holz-Dach, kaum Passagiere und kein Bodenpersonal. Hier funktioniert alles per Computer.

Schön anzusehen, aber ich muss hier erst mal klarkommen. Zumal ich gerade dabei bin, meinen Anschlussflug zu ver­passen. Online-Check-In ist nicht mehr möglich. Pech ge­habt, sagt das System. Aber so schnell gebe ich nicht auf. Auf dem Weg zum Gate sitzt ein älterer Herr in einer Reihe verwaister Counter. Eigentlich sieht er gar nicht zuständig aus aber einen Versuch ist es wert. Ich schildere mein Prob­lem und prompt setzt er sich in Bewegung. Er ruft das Gate an, macht mir schnelle Beine, regelt das.

Willkommen in Norwegen, hier menschelt es trotz allen Fortschritts. Dieser Mann hat mich nicht nur auf den An­schlussflieger gepackt, zum Abschied steckt er mir ein Stück Konfekt zu. Handgemacht von seinem Schwiegersohn, der betreibt eine Bonbonmacherei in der Stadt.

In Ålesund an der Westküste Norwegens angekommen, geht es genau so freundlich weiter. Eine nette Blondine steht schon parat und umarmt mich, «You must be Stephanie». Das passt mir gut, bin ja auch so ein Umarmer.

In den nächsten drei Tagen bin ich in der Obhut der Familie Flakk. Diese Gastgeber sind etwas Besonderes. Ihr Vermö­gen haben sie mit Strickwaren gemacht – mit klassischen Norweger-Pullis und Unterwäsche aus feinster Merino-Wol­le. Die Firma hatte ihren Hauptsitz in Ålesund und war dort der größte Arbeitgeber. Unter dem Druck der globalen Welt wurde die Produktion irgendwann nach Litauen verlegt. Bis hierhin eine ganz normale Story. Aber: Das Ehepaar Knut und Line Flakk war seiner Heimat so sehr verbunden, dass es für Ålesund einen Plan B entwickelte. Sie wollten neue Arbeitsplätze schaffen, die auch in Zukunft nicht verlegbar sein werden, so begann ihr Abenteuer Hotellerie.

Drei 5-Sterne-Hotels, vier Boote und neun Helikopter ge­hören mittlerweile zum Projekt 62°North. Dieser Plan war 2006 auch ambitioniert, da Norwegen bis dato berühmt für seine Natur aber auch für sehr rustikale Unterkünfte war. Das «Projekt» ist heute Arbeitgeber von über 150 Menschen und Ålesund ist ein begehrtes Urlaubsziel für anspruchsvol­le, aktive Weltenbummler geworden. Heute bin ich einer von ihnen und finde mich zwei Stunden nach meiner Ankunft schon auf einem Fischkutter wieder. Alles wie im Bilderbuch: Das Schiff ist leuchtend weiß gestrichen, die hölzernen Bodenplanken sind frisch geschrubbt und Per Ove, der Kapitän, ist mit seinem wettergegerbten Gesicht ein richtiger Seebär. Nur ich passe da nicht ins Bild, in einem dicken XXL-Overall der Fischer sehe ich aus wie das Michelin-Männchen.

Mit von der Partie auf dieser Reise sind fünf Kollegen, Reisedesigner aus aller Herren Länder. Darunter auch Annette aus Russland, mit der ich schon viele dieser «Check-Reisen» unternommen habe. Wir tuckern los, fahren an den Inseln vorbei auf das Meer hinaus, der Freiheit entgegen. Doch auch der Blick zurück, auf den Eingang des Geirangerfjord, ist atemberaubend. Diese Landschaft gehört mit ihren zerklüfteten Bergen, die bis zu 2’000 Meter hoch direkt aus dem saphirblauen Wasser ragen, zu den schönsten Orten, die Norwegen zu bieten hat, und steht deshalb seit 2005 auf der UNESCO-Weltkulturerbe-Liste.

Die schneebedeckten Gipfel des Hjørundfjords, die von der Abendsonne beschienen golden strahlen, setzen dem ganzen noch die Krone auf. Ich bin fassungslos über so viel Schönheit. Annette reißt mich mit einem Jubelschrei aus meiner Verzückung. Sie hat es nicht so mit der Andacht, sie ist eine Frau, die gerne mit anpackt und alles ausprobiert. Mit Per Ove steht sie an der Reling und hält eine Leine in der Hand. «Da hat was angebissen», ruft sie mir zu und zieht mit einem Ruck sechs Seelachse an Deck … sehr zur Freude des Kapitäns, der gleich anfängt, sein Abendessen vorzubereiten. Die Innereien wirft er über Bord, wo sie noch im Flug von den hungrigen Möwen, die unserem Boot jetzt in Scharen folgen, aufgefressen werden. Ich wusste gar nicht, wie einfach Fischen ist! Leine mit funkelnden Metallfischen runterlassen, ein bisschen warten, hochkurbeln, voilà.

Der erste Tag in «Gottes Land» war schon mal gut. Nach einem Gourmet-Dinner im Hotel Brosundet sinke ich glücklich in mein gemütliches Bett unterm Dachgiebel und schlafe schnell zum Plätschern des Wassers an der Hafenmauer ein. Tag zwei beginnt mit einem Rundgang durch das malerische Ålesund, das sich über mehrere Inseln streckt.

Seine besondere Architektur hat das Städtchen im Grunde einem schrecklichen Unglück zu verdanken: Am 23. Januar 1904, um zwei Uhr nachts, saßen in der alten Konservenfabrik neben der Kapelle einige Männer zusammen und tranken um die Wette. Eine Karbidlampe stürzte vom Tisch. Kurz danach standen erst das Haus und dann die ganze Ortschaft mit 800 Häusern in Flammen. Dass die Stadt dann schnell und außerordentlich prunkvoll, im feinsten Jugendstil, wieder aufgebaut wurde, hat Ålesund nicht zuletzt Wilhelm II. zu verdanken. Der letzte deutsche Kaiser war ein großer Norwegen-Fan und machte hier auf seinen alljährlichen Nordlandfahrten im Sommer Station. Diese Urlaube zählen zu den bizarrsten und exotischsten Episoden seiner Regentschaft. Sie ließen den Norwegen-Tourismus der Deutschen boomen: Hielt Wilhelm sich in den Fjorden auf, waren alle Kreuzfahrtschiffe ausgebucht, nach seiner Abreise war die Saison beendet. Als Wilhelm II. damals vom Brand in Ålesund hörte, wollte er sofort helfen. Nur drei Tage nach der Katastrophe traf eine Flotte mit vier Kriegsschiffen aus Bremerhaven und Hamburg ein. An Bord waren Decken, Zelte, Lebensmittel, Medikamente, Ärzte und sogar ein mobiles Krankenhaus. All das soll der Kaiser von seinem Privatvermögen bezahlt haben.

Nach einem Fotostopp am pittoresken Leuchtturm von Molja, den man übrigens für eine Nacht mieten kann (er besteht aus einem Doppelbett im ersten Stock und einem Minibad im Parterre), geht unser Abenteuer weiter mit einem wilden Ritt auf dem RIB Boat, einem superschnellen Schlauchboot mit festem Rumpf, das beim Fahren vorne abhebt.

Ein bisschen aufgeregt bin ich schon, kennt man mich, dann weiss man: Ich bin ein kleiner Kontrollfreak und eine schlechte Beifahrerin. Die Kollegin aus Moskau spricht mir gut zu. Seis drum, wenn Kinder ab zehn Jahren mitfahren können, dann kann ich das auch. Und tatsächlich, als wir mit 100 Sachen über den spiegelglatten Atlantik fliegen, ist die Angst wie weggeblasen. Wir jagen über das Meer, vorbei an einsamen Inseln bis nach Runde. Das Eiland hat gerade mal 100 Einwohner, doch jedes Jahr zur Brutsaison von Februar bis August erobern mehr als 500’000 Vögel die grünen Felsen. Vom Eissturmvogel, über den Basstölpel bis zum Papageientaucher. Diese Tiere bieten uns eine hinreißende Unterhaltungsshow: Mit ihrem kräftig roten Schnabel und dem markanten schwarz-weißen Gefieder erinnern sie mich an Harlekine. Unermüdlich fliegen sie mit der Nahrung für ihre Jungen in die Höhlen im zerklüfteten Vogelfelsen.

Seeluft macht hungrig. Wir landen auf Skotholmen, einer Nachbarinsel, in the middle of nowhere. Dort, im Kami, wartet schon der Küchenchef Magnus Bergseth mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Die verspiegelte Sonnenbrille in den braunen Locken krempelt er die Arme hoch, wetzt die Messer und holt einen prächtigen Dorsch aus einem Eiskübel, der in der Küche steht. Früher war das hier eine Heringsfischerei, heute ist die alte Lagerhalle ein Restaurant für Liebhaber von frischem Fisch.

Und der Mann kann kochen wie ein Star, die Krabbensuppe ist ein Gedicht, der Fisch zum Hauptgang auch. Zum Restaurant gehört auch ein Maskottchen, eine fast zahme Möwe, die sich vor dem Fenster platziert und interessiert beim Anrichten der Leckereien zuschaut. Sie heißt Astrid und weiss genau, dass es nach unserem Dessert auch für sie noch ein Mittagessen geben wird.

Zurück in Ålesund gehen wir dann in die Luft. Überraschung, die Reise geht weiter per Helikopter, wieder ein kleiner Härtetest für mein Kontrollzentrum, aber dank dem fantastischen Wetter und dem Sitz neben dem Piloten ist dieser 20-minütige Flug nach Norangsdal ein Genuss. Von oben sieht man, wie die Fjorde langen Fingern ähnlich aus dem blau-grünen Wasser in das Landesinnere hineinragen. Wir sehen grüne Almwiesen mit verlassenen Berghöfen und Wasserfälle, die in die Tiefe stürzen.

Die Fjorde sind einst durch Talgletscher entstanden. Das Eis führte große und kleine Gesteinsbrocken mit sich, vertiefte und verbreiterte so die schon bestehenden Flüsse, so dass das Flusstal seine typische U-Form erhielt. Als dann am Ende der letzten Eiszeit der Meeresspiegel anstieg, strömte zusätzlich Wasser in die Täler und füllte die Gräben auf, die so tief sind, dass selbst Kreuzfahrtschiffe bis zum Ende vieler Buchten fahren können. Norangsdal ist berühmt. Eingerahmt von eindrucksvoll gezackten Berggipfeln, war das winzige Örtchen schon immer Inspiration für weltberühmte Künstler und Schriftsteller wie Karen Blixen, Knut Hamsun and Sir Arthur Conan Doyle. Auch die Royals machten es sich hier regelmäßig nett, residierten im Hotel Union Øye. Kaiser Wilhelm II. gehörte zu den Stammgästen. Morgens liebte er Frühsport mit Gymnastik, bei dem er seinen Mitturnern wohl gerne schon mal die Hosenträger durchschnitt (etwas seltsamer Humor), abends am Kamin wurden dann Intrigen gesponnen.

Die zwölf Suiten im Union Øye sind nach diesen Persönlichkeiten benannt. Dreimal dürfen Sie raten, welcher Promi einst in meinem Zimmer nächtigte. Richtig! Der Kaiser! Das Himmelbett ist eher klein und knarrt ein bisschen, aber immerhin mit kaiserlichem Wappen. Das Badezimmer wird von einer XXL-Badewanne geschmückt, ein Ungetüm auf vier goldenen Löwentatzen.

Das charmanteste war wieder einmal die Begrüßung; bei Anflug stand eine norwegische Schönheit in Landestracht bereit und strahlte übers ganze Gesicht: Mariann. Und auch hier wieder erst einmal eine dicke Umarmung («You must be Stephanie»). Irgendwie habe ich das Gefühl, es ist tatsächlich ernst gemeint. Die nächsten 24 Stunden ist sie immer lachend und aufmerksam für uns da, und das alles, als wäre es eine Selbstverständlichkeit. Auch Marianns Geschichte ist leicht bizarr. Das Hotel gehörte ihrem Vater, der verkaufte an Familie Flakk, sie wurde quasi mitverkauft und war mit 21 Jahren die jüngste Hoteldirektorin Norwegens. Das Union Øye ist ihr Baby, sie gehört quasi zum Inventar und scheint auch ein bisschen Narrenfreiheit zu haben. Erst vor kurzem kaufte der Eigentümer einen wundervollen Oldtimer, einen Lasalle von 1930 – bordeauxrot mit beigefarbenem Faltdach –mit dem düst sie jetzt über die Insel.

Tag drei, wieder ein Highlight. Bei strahlendem Sonnenschein, so warm, dass man in T-Shirts bereits schwitzt, geht es auf die Kajaks. Die Sonne lacht, trotzdem ist das Wasser kalt. Eisig kalt. Kollegin Annette verspricht, dass ich mir keine Sorgen machen muss, da sie im letzten Leben eine Kajak-Olympionikin war. Also gut, Rettungsweste an, rein ins Kajak, los in den Fjord. Umrahmt von einer Bilderbuchlandschaft, die schöner nicht sein kann, paddeln wir los. Die Glückshormone tanzen Tango. Ich verstehe das mit dem lebenswertesten Land jetzt besser; diese Natur ist unglaublich, reinste Luft, das Wasser tiefblau und sauber, die Menschen liebenswert, hier kann man es gut aushalten. Wir lassen uns treiben und genießen, keiner sagt was, jeder sinniert vor sich hin. Auch der Gastgeber lächelt versonnen, er freut sich, dass alle seine Pläne aufgehen. Nicht bei jeder Reise nach Norwegen ist der Wettergott so gütig.

Als wir mit den Kajaks anlegen, wartet die kleine Yacht bereits und es geht entlang der endlosen, einsamen Fjorde weiter zum dritten Hotel: Storfjord bei Glomset. Ein Boutiquehotel am Waldrand mit Blick übers Wasser, ein perfekter Ort, um ein paar Tage zu entspannen. Da wir hier nur eine Nacht sind, testen wir gleich alles im Schnelldurchgang und sitzen kurze Zeit später im Outdoor-Jacuzzi mit einem kalten Getränk, Geschäftsreisen machen Spaß.

Dazu gibt es dann noch eine Lektion in Sachen Norwegen und Transparenz. Ich treffe Tjorven, eine allein reisende Bibliothekarin und Mutter von drei Kindern. Bei einem Glas Weißwein – dazu gibt es würzige Elchsalami und hauchdünnes Flatbrød – kommen wir ins Reden. Darüber, dass der Reichtum des Landes (das Pro-Kopf-Einkommen liegt bei monatlich EUR 4’600) nicht zuletzt den großen Ölvorkommen zu verdanken ist, die eigene Energieversorgung aber zu 99 Prozent über Wasserkraft läuft. Über das Gesundheitssystem (es gibt nur eine staatliche Krankenkasse, in die alle einzahlen), darüber, dass es hier, im hohen Norden, verpönt ist, seinen Reichtum offen zur Schau zu stellen und dass die Steuerbehörde jeden Herbst sämtliche Steuerdaten aller Bürger öffentlich macht. Mit ein paar Klicks können die Norweger nicht nur die Einkommensverhältnisse von Politikern, Schauspielern und Industriellen checken, sondern auch nachschauen, ob der Nachbar sein neues Boot aus versteuertem Einkommen bezahlt hat oder dafür in seinen Sparstrumpf greifen musste. Das muss man sich mal vorstellen! So eine Transparenz wäre in Deutschland undenkbar! Die Norweger dagegen finden nichts dabei.

Nach drei Tagen geht die Entdeckung per Mietwagen in Richtung Süden weiter. Annette ist für die Navigation zuständig, ich bin die Fahrerin. Bei den pittoresken Überlandfahrten kommt man nicht ganz ohne Konzentration aus: Viele Straßen sind extrem schmal, also einspurig, und in Norwegen herrscht das Höflichkeitsprinzip. Das klappt unter den Einheimischen prima, man munkelt, mit den deutschen Wohnmobilfahrern eher nicht. Schaut man auf die Landkarte, glaubt man eigentlich nicht, dass man hier überhaupt Auto fahren kann, da überall Fjorde die Straßen kreuzen, aber das haben die Norweger schlau gelöst mit zahlreichen Fähren und Tunneln. Die Fähren fahren regelmäßig, eigentlich mussten wir (in der Nebensaison unterwegs) nie mehr als zehn Minuten warten. Die Tunnel dagegen haben es in sich. Der längste Straßentunnel verbindet die Gemeinden Aurland und Lärdal und ist 24,51 Kilometer lang. So lange in einer dunklen Röhre zu fahren, das ist schon ein wenig unterirdisch.

An Tag sechs der Reise erreichen wir Bergen. Die kleine Stadt ist malerisch mit ihren bunten Holzhäusern und im Sommer Anziehungspunkt aller Kreuzfahrtschiffe in Norwegen.In der Vorsaison ist der Ort mit Sonne wirklich sehenswert, im Hochsommer eher ein kurzer Stopp am Ende einer Rundreise.

Hier wartet allerdings die dickste Umarmung: Alf, der Eigentümer und Kapitän der Yacht, die schon ganz viele C&M-Kunden glücklich durch die einsamen Fjorde geschippert hat, drückt mich, bis mir die Luft ausgeht. Was für ein Urgestein! In Norwegen heißt er nur «Oyster Dundee» und der Spitzname ist schnell erklärt. Alf betreibt seit Jahren das erfolgreichste Fisch- und Austernrestaurant Norwegens und ist ein wettergegerbter Seebär. Das Meer ist sein Element – alles, was damit zusammenhängt, die Natur, die Fische, die Brise, der Sturm und auch die Ruhe danach, dafür lebt er. Was für uns vielleicht das Auto in der Garage ist, das ist für ihn sein Boot. Es «parkt» am Anleger vor seiner Terrasse, sodass er es auch abends sehen kann.

Wir verbringen einen Tag auf dem Wasser mit Alf und seiner charmanten Tochter Karianne, die jetzt als nächste Generation in das Business einsteigt. Es gibt eine Aufbruchsstimmung in Norwegen für exklusive, außergewöhnliche Hotellerie-Konzepte. Zwischen Austern, Dorschen und Krabben diskutieren wir über Glamping-Zelte und Gastfreundschaft. Das ist insofern lustig, als dass der Norweger an sich es mit dem «Dienen» nicht so hat. Dem Gast den Koffer aufs Zimmer zu tragen, finden sie hier eher ungewöhnlich.

Spätabends holt mich die Realität dann im Hotel in Bergen wieder ein: Scandinavian Airlines streikt morgen, auch ungewöhnlich, das machen die sonst nie. Das heißt für mich, umdisponieren – es wird ein langer Tag von Bergen bis nach Frankfurt über Amsterdam. Macht nichts. Bei fünf Stunden Transit in Holland habe ich Zeit, um alles aufzuschreiben. Und da sitze ich jetzt im geschäftigen Flughafen Schiphol, alles rennt und hastet. Trotzdem kann mich das nicht aus der Ruhe bringen. Ich komme ja aus dem Land, wo Gott wohnt, sehe immer noch diese wahnsinnige Natur vor mir, genieße einen leichten Sonnenbrand und habe Muskelkater von den innigen Umarmungen. Schön war’s!

Reisen ist immer ein Augenöffner und nimmt mich komplett aus meinem Alltag, das liebe ich an meinem Beruf. Phänomenal, vorgestern saß ich noch in meinem Büro in Frankfurt, jetzt sitze ich hier mit den Berberfrauen auf dem Boden und versuche Argannüsse zu knacken. Das machen die Frauen sechs Stunden am Tag in der Kooperative. Wie sie da sitzen, lachen und reden, scheint es auch ein sozialer Treffpunkt zu sein, außerdem verdienen sie damit richtig gutes Geld, denn Arganöl ist das flüssige Gold Marokkos. Geschickt knacken sie die harte Nuss mit einem Stein auf, zwei hellbraune, mandelförmige Kerne fallen raus, die später mit einer alten Steinmühle gemahlen werden. Ich klopfe und klopfe, aber meine Nuss, die will sich nicht öffnen, denke, das braucht ein bisschen mehr Übung, wir haben auf jeden Fall Spaß miteinander, gestikulieren mit Händen und Füssen.

Auf dem Weg zurück nach Hause wandern wir durch eine rote Schlucht und haben plötzlich Begleitung. «Salam aleikum», ruft Mohammed der Hirte von weitem und nur wenige Augenblicke später haben seine Ziegen uns auch schon eingeholt. Mindestens 30 schwarz-braun gescheckte Tiere mit strubbeligem Fell nehmen uns in ihre Mitte und klettern geschickt den schmalen, staubigen Pfad nach oben. Eine tierische Eskorte, vorbei an Kaktusfeigen, wildem Rosmarin und zart duftender Citronella. «Lauft schneller, die Sonne geht gleich unter», ruft der Mann mit dem rotbraunen Kaftan und die Ziegen antworten ihm mit einem freundlichen Meckern.

Erst als wir ein paar Minuten später oben auf der Dachterrasse sitzen und beobachten, wie der glutrote Sonnenball hinter den Bergen untergeht, verstehe ich, dass Mohammed gar nicht seine Ziegen, sondern uns antreiben wollte. Wie recht er hat! Diesen Ausblick auf das weite Tal im Abendrot sollte man wirklich nicht verpassen.  Unser erster Tag auf der «Route du Sud» geht zu Ende. Von Marrakesch aus haben wir uns auf den Weg in den Anti- Atlas gemacht, jene Gegend im Süden Marokkos, die touristisch noch kaum erschlossen ist. Das «Maison des Arganiers» ist unser erster Stopp.

Das Haus liegt auf einem Hügel inmitten eines alten, kleinen Dorfes. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Keine Autos, keine Mülltonnen, keine bunten Werbeplakate. Außer den steinernen Häusern der Berberfamilien mit ihren Ziegen, Staub, Geröll und Kakteen gibt es hier tatsächlich nichts. Auf den ersten Blick sieht auch unsere Unterkunft bescheiden aus. Man steigt eine Treppe nach oben, klettert durch ein kleines Tor, geht an einer alten Ruine vorbei und steht auf einmal vor einer mächtigen Holztür, die sich knarzend öffnet. Begrüßt werden wir von Hussein und Mohammed, den Butlern, die uns die nächsten drei Tage begleiten und für unser Wohl sorgen werden. Schon wieder ein Mohammed, so wie der Hirte eben und unser Koch gestern, so wie unser Fahrer und am Nachmittag der Honigverkäufer in dem kleinen Laden am Straßenrand? «Ja», sagt Mohammed und prophezeit, dass uns dieser Name noch häufiger begegnen wird. «In Marokko wird traditionell der älteste Sohn der Familie nach dem Propheten benannt. Auch der König trägt diesen Namen.»

Ich schaue ihn an und er lächelt verschmitzt. Dieses Lächeln kommt mir irgendwie bekannt vor. Mohammed, kennen wir uns? Da wird es ganz breit. Ja, das tun wir, er war schon mein guter Geist vor einigen Jahren im Hotel Dar Ahlam. Das Dar Ahlam liegt fünf Stunden östlich von Marrakesch und ist eine wunderschön hergerichtete alte Kasbah, die ich vor einigen Jahren besucht habe. Sie gehört einem Franzosen, Thierry Teyssier, der damals mit zwei außergewöhnlichen Projekten, besagtem Dar Ahlam und einem wunderschönen Weingut in Portugal, für Furore sorgte.

Der Mann ist ein Tausendsassa. In jungen Jahren ist er mit einer Theatergruppe über Land gezogen, dann gründete er eine Eventagentur, mit der er erst in Frankreich und später auf der ganzen Welt Veranstaltungen organisierte. Dabei hat er viele Hotels kennengelernt, und weil die ihn immer gelangweilt haben, entschied er sich, selber in die Branche einzusteigen und alles ein bisschen anders zu machen. Thierry inszeniert die Übernachtungen in seinen Häusern wie einen Opernbesuch. Jedes Erlebnis ist persönlich geplant und jede Mahlzeit wird zu einem Happening. Erlebt man das Frühstück auf der Dachterrasse, dann ist es fast sicher, dass das Dinner mit tausend Kerzen im Weinkeller oder unter einem knorrigen Baum im Gemüsegarten zelebriert wird. Nicht nur die Location, auch das Geschirr und die Dekoration sind immer anders. Routine scheint es in seinen Hotels nicht zu geben. Auch die Ausflüge führen zu den einsamsten, authentischsten und unbekanntesten Plätzen und Erlebnissen der Gegend. Thierry ist auch der Grund, warum ich jetzt hier im tiefen Süden Marokkos unterwegs bin, denn wir folgen seiner «Route du Sud», eine Erlebnisreise aus seiner Feder. Das Projekt ist so speziell, dass ich es erst persönlich anschauen muss, bevor ich als Reisedesignerin meine Weltenbummler dahin schicke. Ich weiß jetzt schon, es ist etwas Besonderes – aber nicht für jeden.

Entlang einer alten Karawanenstraße, auf der einst die Dromedare bis ins ferne Timbuktu zogen, hat Thierry drei Häuser für seine Gäste hergerichtet. Jedes Domizil hat Platz für bis zu sechs Personen und ist dank Thierrys gutem Geschmack und seiner Liebe zum Detail eine wunderschöne, charmante Unterkunft. Das Motto der «Route» ist: Der Weg ist das Ziel. Man fährt durch eine unbekannte, wilde Schönheit, den Anti-Atlas. Der hat im Norden noch grüne Vegetation, mit den im Frühjahr zart blühenden Mandelbäumen und den lustigen Kakteen, deren rote Früchte aussehen wie kleine Zehen an riesigen Füßen. Je weiter man nach Süden fährt, desto karger wird die Landschaft. Die Arganien mit ihren grün-gelben Früchten sind eine besondere Attraktion. Die Bäume gibt es überwiegend nur in dieser Region, aber dafür schon seit 25 Millionen Jahren. Kein Wunder, dass mich ihre knorrige Rinde an die Haut von Dinosauriern erinnert. Vier Jahre können diese erstaunlichen Bäume ganz ohne Regen überleben und dabei sogar Temperaturen bis zu 50 Grad aushalten. Ihr Trick: Sie haben Wurzeln, die bis zu 30 Meter tief in die Erde reichen, wo sie das Grundwasser anzapfen. Die erste Nacht im «Haus des Arganbaumes» hat mich wunderbar entschleunigt und ich bin total erholt. Tiefschlaf ohne Zivilisationsgeräusche, ab und an das Meckern einer Ziege aus dem benachbarten Stall und pünktlich um sieben das Krähen des Hahns.

Am Morgen laden wir unser Gepäck in große Ledertruhen um. Diese Schiffskoffer sind Teil der Inszenierung. Wie ein mobiler Kleiderschrank reisen sie in den kommenden Tagen mit uns weiter, festgeschnallt auf dem Dach des Jeeps. Das hat was, fühlt sich nach Expedition und Abenteuer an! Wir fahren los und kommen bald in eine karge, hügelige Steinwüste, nur ab und zu sehen wir ein kleines Dorf, ein paar Dromedare. Mohammed beantwortet geduldig unsere neugierigen Fragen. Von ihm lernen wir vieles über die alten Bräuche der Berber, das Arganöl, die Ziegenzucht und warum viele Männer ihre Augen mit schwarzer Farbe umranden. Der dunkle Strich ist ein Blendschutz gegen die gleißende Sonne und hält außerdem Insekten fern, erfahren wir. Noch heute verwenden viele Berber hierfür Galenit. Ein Pulver, das aus einem schwarz-silbernen Stein gewonnen wird.

Galenit? Moment mal! Ist das nicht Bleiglanz? Ein Bleisulfit, das schon bei bloßem Kontakt mit der Haut giftig wirkt? Mohammed nickt. Das hätten schon die alten Ägypter benutzt, sagt er. Ach! Soll nicht Königin Nofretete an den Folgen einer infektiösen Augenkrankheit gestorben sein? Gerade als wir darüber sinnieren, was der Mensch nicht alles für die Schönheit tut, taucht vor uns das blaue Meer auf. Wow, was für ein Ausblick! Über uns drehen vier Drachenflieger, vom Berghügel zum Meer, ihre Runden. Vermutlich sind sie mit den beiden Wohnmobilen unterwegs, die wir eben am Wegesrand gesehen haben.

Unser Fahrer biegt irgendwo im Nirgendwo ab, auf einen buckeligen Pfad, hinunter zum Wasser. Und hier: Überraschung, ein großes, rotes Felsentor ragt über den Strand ins Meer, erinnert mich ein bisschen an die Südküste Portugals – Postkartenidyll. Eine kleine Bucht mit Kieselstrand und mittendrin Thierry wie hindekoriert mit einem opulenten Picknick. Sitzkissen für jeden, Couscous-Salat und Bohnen mit Crumbles in Einmachgläsern, Obstsalat vom lokalen Markt und natürlich ein frischer Rosé. Der Mann weiß, was gut schmeckt. Während wir seine Philosophie diskutieren, schmiert er uns fürsorglich geröstetes Fladenbrot mit Oliven- und Thunfischpaste. Herrlich.

Wir fahren weiter. Wieder diese Weite. Unendliche Freiheit! Den Blick Richtung Horizont denke ich an Marrakesch. Bevor wir zur Route du Sud aufgebrochen sind, waren wir dort spätabends unterwegs. Ich mag diese exotische, trubelige Stadt mit ihren engen Gassen, den laut feilschenden Händlern und den skurrilen Gestalten zu nächtlicher Stunde auf dem Djemaa el-Fna, dem Platz der Gehenkten. Er ist das Herz der Stadt und hier trifft sich jeder und alles. Wasserverkäufer mit ihren bunten Hüten, Männer an kleinen Tischen, die Potenzmittel verkaufen, Frauen, die Henna-Tattoos malen, Märchenerzähler, Schreiber, Hütchenspieler, Musiker mit einem Huhn auf dem Kopf (bringt Glück) und der obligate Mann mit der Personenwaage (war leider nicht geeicht und somit uncharmant).

Vor den Ständen, an denen oft auf offenem Feuer gekocht wird, sind Holzbänke und Tische mit buntem Wachstuch aufgestellt. Diese kleinen Restaurants sind jeden Abend ein beliebtes Ziel für Einheimische und für Touristen, das Essen ist frisch und preiswert, die Atmosphäre supercool. Jeder Stand hat seine Spezialität, Tajine in jeglicher Variation, Muscheln, Schnecken und natürlich Schafsköpfe, das ist nichts für zarte Seelen, also schnell ein Foto und weiter. In einer Ecke sind die riesigen Nuss-, Dattel- und Feigenstände und nachdem wir uns durch die Trockenfrüchte gekostet haben, find ich mich in einem Stand plötzlich als Verkäuferin wieder. Es ist urkomisch, der Händler meint, ich könne ruhig ein bisschen dableiben, er würde dann die Preise erhöhen.

Was für ein herrlicher Irrsinn in einer spannenden, fremden Welt. Und jetzt erlebe ich hier, nur zwei Tage später, das Kontrastprogramm. Wir halten an einer Oase und haben unser nächstes Ziel erreicht: Maison de l’Oasis. Das Haus liegt wieder mittendrin, dieses Mal im Grünen unter 300 Jahre alten Dattelpalmen. 600 Familien leben in der Siedlung. Sie teilen sich das kostbare Wasser, das durch kleine Kanäle fließt und so nach einem gerechten Plan alle Felder bewässert.

Unsere Schiffskisten folgen uns auf einem Fahrrad beim Gang durch das Dorf zum Oasenhaus. Das sind zwei geräumige Lehmhäuser mit Zeltterrassen, entworfen von den Architekten, die das gerade eröffnete, wunderbare Yves-Saint-Laurent-Museum in Marrakesch gebaut haben. Umgeben von hohen Lehmmauern ist es wie eine Oase in der Oase. In der Mitte ein großes Lagerfeuer und sogar ein Feuertopf aus Lehm, in dem sie gerade frisches Brot für   uns backen. Bevor die Sonne ganz untergeht, machen wir uns auf einen Spaziergang durchs Dorf und geraten in eine Hochzeitsvorbereitung. Das muss ich sehen! Nach kurzer Rücksprache dürfen wir in die «Küche», eine leergeräumte Garage. Unglaublich! Hier stapeln die Berberfrauen gerade 120 gebratene Hühner. In vier riesigen Töpfen kocht das Gemüse. Es riecht so lecker, am liebsten hätten wir gleich mitgemacht beim großen Fest. Draußen stehen die Männer in hellblauen, traditionellen, langen Gewändern, die mit goldenen Fäden bestickt sind, und unterhalten sich. Diese Feier geht über vier Tage und viele Gäste sind aus ganz Marokko und sogar aus Paris und London angereist. Irgendwie passen die polierten Autos und die modernen iPhones nicht ins Bild der Dorfhochzeit. Hier treffen Tradition und moderne Welt krass aufeinander.

Noch schräger ist der Besuch im Heimat-Museum. Ein Riesentyp namens Hammed (kommt von Mohammed), 1,90 Meter groß, mit Kohlenaugen, stellt sich als Museumsdirektor vor. Strom gibt es in der alten Kasbah nicht. Also schalten wir die Lampen an unseren Handys ein und er führt uns wortreich durch das Sammelsurium von alten Werkzeugen, Wasserbehältern und Knochen. Dabei gestikuliert er wie ein Italiener und stößt immer wieder einen sehr lauten, dumpfen Schrei aus. «Ug!!» So klängen die Freudenschreie der Männer, erklärt er uns auf irritierte Nachfrage. Frauen hingegen würden ihre Zunge im Mund hin und her schnellen lassen. Das seien dann Youyous, erfahren wir, und Hammed gibt uns auch davon eine kleine Kostprobe. Jodeln auf marokkanisch? Die ganze Situation ist unfassbar grotesk.

Zurück in der Maison dann große Freude. Es gibt Hühnchen! Das habe ich mir seit dem Besuch in der Kochgarage heimlich gewünscht. Der Abend ist gerettet. Bevor wir ins Bett gehen, hat Thierry natürlich wieder eine Überraschung parat, ein Open-Air-Kino vor der Hütte. Eingewickelt in warme Decken liegen wir auf weißen Chaiselongues und schauen Casablanca – was sonst! Aber es ist kühl geworden, also gehen wir – nachdem er ihr in die Augen geschaut hat – schnell ins Bett.

Zum Frühstück gibt es wieder die leckeren marokkanischen Muffins und Nutella aus Arganöl, daran könnte ich mich gewöhnen. Nicht ganz so gut gefallen mir allerdings die langen Fahrten im Jeep. Auch wenn die Landschaft traumhaft ist, ist das manchmal einfach etwas zu viel Sitzerei. Das muss ich mit Thierry besprechen.
Aber nach drei Stunden kommt die Belohnung. Wir halten im Dorf Amtoudi in der Provinz Guelmim Es Semara. Unser Ziel ist eine alte Kasbah, die über dem Dorf thront. Man baute diese Burg damals nicht etwa als Wohnsitz für einen König, sondern als eine Art Speicher der Kostbarkeiten. Vor Jahrhunderten haben die nomadischen Stämme hier ihre Getreide-, Dattel- und Gewürzvorräte in Sicherheit gebracht. Wir klettern rauf. Mit dabei ein Maultier, das auf den Namen Aqil hört und schon 36 Jahre alt ist. Den alten Knaben haben sie extra für mich organisiert, wie peinlich, aber nach der Knie-OP ist das mein erster Hindernislauf bergauf.

Ich schaue das kleine Tier mit seinen großen, treuen Augen an und verspreche ihm: Auch wenn ich auf allen Vieren da rauf krabbele, auf dir reiten tue ich nicht. Und ja, ein bisschen zwickt mein Bein schon, aber oben angekommen ist alles vergessen, der Ausblick hier ist es wert. Während unten im Dorf der Muezzin ruft und sein Gesang in den Bergen widerhallt, erwartet uns hier oben ein Mittagessen der besonderen Art: Aus einer kleinen Behelfsküche kommen eine köstliche Tajine mit salzig eingelegten Zitronen und frische Grillspiesse, zum Nachtisch Erdbeermus mit Haselnuss. Wieder einmal eine gelungene Thierry-Inszenierung. Chapeau!

Zwei Stunden weiter dann unser letzter Stopp: «Maison Rouge». Das Haus klebt einsam am Hang, am Ende einer zu erklimmenden Schlucht. Unsere Schiffskoffer finden dieses Mal den Weg per Esel nach oben, es ist einfach zu steil, um sie einzeln hochzuschleppen. Vor uns türmt sich ein dramatisches Gebirge auf. Es sieht aus, als hätten Riesen im Gesteinsbrei mit einem großen Löffel gerührt. Faszinierend.

Unser letzter Abend, Thierry zeigt uns auf seinem Laptop Bilder seines neuesten Projektes, eine Art Pop-up-Hotel, das um die Welt zieht. Er ist voller Euphorie. Nächstes Jahr will er seine Gäste unter anderem in einem Tempel im Angkor Wat und in schwimmenden Fischerhäusern auf dem Tonle Sap in Kambodscha unterbringen. Gemeinsam lassen wir auch die «Route du Sud» Revue passieren und diskutieren unsere Eindrücke. Mein Fazit: Der richtige Trip für Menschen, die «off the beaten track» und sehr privat ein unberührtes Land entdecken wollen. Meine Empfehlung an Thierry, weniger fahren, mehr unternehmen und tiefer in die Lebenswelt der Menschen eintauchen.

Heute, gut eine Woche nachdem ich aus Marokko zurück bin, klingelt das Telefon. Es ist Thierry. Er hat nicht lange gezögert und ist nach unserer «Manöverkritik» sofort noch einmal nach Agadir geflogen. Dort fährt er jetzt über Land, um weitere Überraschungen für seine Gäste zu suchen. Euphorisch berichtet er mir von Safranfeldern, einem Camp in der Wüste neben einem Canyon und einem Bienengarten. Der Imker dort ist 92 Jahre alt und hält seine Bienen in traditionellen Korbröhren. Ich soll bald wiederkommen und Momo kennenlernen. Momo? «Ist eine Kurzform von Mohammed», erklärt Thierry. War irgendwie klar …

Ich nannte es immer “the grumpy horse”, denn unsere Freundschaft wurde gleich am Anfang direkt abgewürgt. Wenn man es gewohnt ist einen Romika Schuh zu fahren – also alles läuft automatisch inklusive des Lichts – dann ist ein Landrover Defender erst einmal eine Herausforderung. (mehr …)

Seit 4 Tagen übe ich die Aussprache des wohl wichtigsten Wortes auf georgisch “Prost” und jeden Tag kommt etwas anderes dabei raus.

Die Georgier sind gut drauf:
Essen, trinken und prosten ist der wichtigste Bestandteil des Tages

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Ab dem 27. Dezember 2014

Langsam bekomme ich einen Überblick zum Tempelgeschehen. Jeder Gott hat ja sein Reittier, also Ganesha hat die kleine Maus, Vishnu den Garuda und Lord Shiva den pompösen Stier. Die Reittiere parken immer im Eingang, so ist eine schnelle Orientierung möglich.  Weiterlesen…

26. Dezember 2014: Pondicherry

Zum ersten Mal habe ich durchgeschlafen und ohne Jetlag ist meine Reise noch aufregender. Dann morgens vor der Haustür: Willkommen in Frankreich. Zumindest für fünf Straßenzüge. Pondicherry war nämlich ‘die’ Bastion der Franzosen. Und so sieht es hier auch aus, wie in einer Kleinstadt in der Provence, etwas irritierend ist allerdings die Kulisse der bunten Saris. Weiterlesen…

Weihnachten 2014, wieder einmal indisch. Die Lufthansa hatte Rückenwind und ich erlebte acht Stunden wie im Flug dank inflight Internet; perfekt um die ‘to do’ Liste über den Wolken abzuarbeiten. Vor mir lagen 1887 Kilometer einmal rund um die südliche Halbinsel zusammen mit meinem Weihnachtsmann =) Fahrer Rajesh – sehr ambitioniert – er muss mit Vettel verwandt sein. Weiterlesen…