Kategorie: Adventure

Zwölf Mal in Folge wurde Norwegen zum lebenswertesten Land der Welt gekürt. Die Süddeutsche Zeitung vermutete sogar, dass hier der Liebe Gott zu Hause sei. Zeit, einmal nachzuschauen …

Schon beim Packen wird klar, dieser Trip wird anders. Neben Bikini und Flip Flops stapeln sich dicke Wollpullover, eine Re­genjacke und feste Wanderschuhe. Die Wettervorhersage für Ålesund am kommenden Montag reicht konkret von 5 Grad Minimum bis 24 Grad Maximum, Sonne und Regen.

Als ich mit 40 Minuten Verspätung in Oslo lande, fühlt es sich erst einmal nicht so an, als wäre ich beim Lieben Gott auf Wolke 7 gelandet, sondern direkt in der Zukunft. Licht­durchflutete Gänge mit grauen Marmorböden, über mir ein kühn geschwungenes Holz-Dach, kaum Passagiere und kein Bodenpersonal. Hier funktioniert alles per Computer.

Schön anzusehen, aber ich muss hier erst mal klarkommen. Zumal ich gerade dabei bin, meinen Anschlussflug zu ver­passen. Online-Check-In ist nicht mehr möglich. Pech ge­habt, sagt das System. Aber so schnell gebe ich nicht auf. Auf dem Weg zum Gate sitzt ein älterer Herr in einer Reihe verwaister Counter. Eigentlich sieht er gar nicht zuständig aus aber einen Versuch ist es wert. Ich schildere mein Prob­lem und prompt setzt er sich in Bewegung. Er ruft das Gate an, macht mir schnelle Beine, regelt das.

Willkommen in Norwegen, hier menschelt es trotz allen Fortschritts. Dieser Mann hat mich nicht nur auf den An­schlussflieger gepackt, zum Abschied steckt er mir ein Stück Konfekt zu. Handgemacht von seinem Schwiegersohn, der betreibt eine Bonbonmacherei in der Stadt.

In Ålesund an der Westküste Norwegens angekommen, geht es genau so freundlich weiter. Eine nette Blondine steht schon parat und umarmt mich, «You must be Stephanie». Das passt mir gut, bin ja auch so ein Umarmer.

In den nächsten drei Tagen bin ich in der Obhut der Familie Flakk. Diese Gastgeber sind etwas Besonderes. Ihr Vermö­gen haben sie mit Strickwaren gemacht – mit klassischen Norweger-Pullis und Unterwäsche aus feinster Merino-Wol­le. Die Firma hatte ihren Hauptsitz in Ålesund und war dort der größte Arbeitgeber. Unter dem Druck der globalen Welt wurde die Produktion irgendwann nach Litauen verlegt. Bis hierhin eine ganz normale Story. Aber: Das Ehepaar Knut und Line Flakk war seiner Heimat so sehr verbunden, dass es für Ålesund einen Plan B entwickelte. Sie wollten neue Arbeitsplätze schaffen, die auch in Zukunft nicht verlegbar sein werden, so begann ihr Abenteuer Hotellerie.

Drei 5-Sterne-Hotels, vier Boote und neun Helikopter ge­hören mittlerweile zum Projekt 62°North. Dieser Plan war 2006 auch ambitioniert, da Norwegen bis dato berühmt für seine Natur aber auch für sehr rustikale Unterkünfte war. Das «Projekt» ist heute Arbeitgeber von über 150 Menschen und Ålesund ist ein begehrtes Urlaubsziel für anspruchsvol­le, aktive Weltenbummler geworden. Heute bin ich einer von ihnen und finde mich zwei Stunden nach meiner Ankunft schon auf einem Fischkutter wieder. Alles wie im Bilderbuch: Das Schiff ist leuchtend weiß gestrichen, die hölzernen Bodenplanken sind frisch geschrubbt und Per Ove, der Kapitän, ist mit seinem wettergegerbten Gesicht ein richtiger Seebär. Nur ich passe da nicht ins Bild, in einem dicken XXL-Overall der Fischer sehe ich aus wie das Michelin-Männchen.

Mit von der Partie auf dieser Reise sind fünf Kollegen, Reisedesigner aus aller Herren Länder. Darunter auch Annette aus Russland, mit der ich schon viele dieser «Check-Reisen» unternommen habe. Wir tuckern los, fahren an den Inseln vorbei auf das Meer hinaus, der Freiheit entgegen. Doch auch der Blick zurück, auf den Eingang des Geirangerfjord, ist atemberaubend. Diese Landschaft gehört mit ihren zerklüfteten Bergen, die bis zu 2’000 Meter hoch direkt aus dem saphirblauen Wasser ragen, zu den schönsten Orten, die Norwegen zu bieten hat, und steht deshalb seit 2005 auf der UNESCO-Weltkulturerbe-Liste.

Die schneebedeckten Gipfel des Hjørundfjords, die von der Abendsonne beschienen golden strahlen, setzen dem ganzen noch die Krone auf. Ich bin fassungslos über so viel Schönheit. Annette reißt mich mit einem Jubelschrei aus meiner Verzückung. Sie hat es nicht so mit der Andacht, sie ist eine Frau, die gerne mit anpackt und alles ausprobiert. Mit Per Ove steht sie an der Reling und hält eine Leine in der Hand. «Da hat was angebissen», ruft sie mir zu und zieht mit einem Ruck sechs Seelachse an Deck … sehr zur Freude des Kapitäns, der gleich anfängt, sein Abendessen vorzubereiten. Die Innereien wirft er über Bord, wo sie noch im Flug von den hungrigen Möwen, die unserem Boot jetzt in Scharen folgen, aufgefressen werden. Ich wusste gar nicht, wie einfach Fischen ist! Leine mit funkelnden Metallfischen runterlassen, ein bisschen warten, hochkurbeln, voilà.

Der erste Tag in «Gottes Land» war schon mal gut. Nach einem Gourmet-Dinner im Hotel Brosundet sinke ich glücklich in mein gemütliches Bett unterm Dachgiebel und schlafe schnell zum Plätschern des Wassers an der Hafenmauer ein. Tag zwei beginnt mit einem Rundgang durch das malerische Ålesund, das sich über mehrere Inseln streckt.

Seine besondere Architektur hat das Städtchen im Grunde einem schrecklichen Unglück zu verdanken: Am 23. Januar 1904, um zwei Uhr nachts, saßen in der alten Konservenfabrik neben der Kapelle einige Männer zusammen und tranken um die Wette. Eine Karbidlampe stürzte vom Tisch. Kurz danach standen erst das Haus und dann die ganze Ortschaft mit 800 Häusern in Flammen. Dass die Stadt dann schnell und außerordentlich prunkvoll, im feinsten Jugendstil, wieder aufgebaut wurde, hat Ålesund nicht zuletzt Wilhelm II. zu verdanken. Der letzte deutsche Kaiser war ein großer Norwegen-Fan und machte hier auf seinen alljährlichen Nordlandfahrten im Sommer Station. Diese Urlaube zählen zu den bizarrsten und exotischsten Episoden seiner Regentschaft. Sie ließen den Norwegen-Tourismus der Deutschen boomen: Hielt Wilhelm sich in den Fjorden auf, waren alle Kreuzfahrtschiffe ausgebucht, nach seiner Abreise war die Saison beendet. Als Wilhelm II. damals vom Brand in Ålesund hörte, wollte er sofort helfen. Nur drei Tage nach der Katastrophe traf eine Flotte mit vier Kriegsschiffen aus Bremerhaven und Hamburg ein. An Bord waren Decken, Zelte, Lebensmittel, Medikamente, Ärzte und sogar ein mobiles Krankenhaus. All das soll der Kaiser von seinem Privatvermögen bezahlt haben.

Nach einem Fotostopp am pittoresken Leuchtturm von Molja, den man übrigens für eine Nacht mieten kann (er besteht aus einem Doppelbett im ersten Stock und einem Minibad im Parterre), geht unser Abenteuer weiter mit einem wilden Ritt auf dem RIB Boat, einem superschnellen Schlauchboot mit festem Rumpf, das beim Fahren vorne abhebt.

Ein bisschen aufgeregt bin ich schon, kennt man mich, dann weiss man: Ich bin ein kleiner Kontrollfreak und eine schlechte Beifahrerin. Die Kollegin aus Moskau spricht mir gut zu. Seis drum, wenn Kinder ab zehn Jahren mitfahren können, dann kann ich das auch. Und tatsächlich, als wir mit 100 Sachen über den spiegelglatten Atlantik fliegen, ist die Angst wie weggeblasen. Wir jagen über das Meer, vorbei an einsamen Inseln bis nach Runde. Das Eiland hat gerade mal 100 Einwohner, doch jedes Jahr zur Brutsaison von Februar bis August erobern mehr als 500’000 Vögel die grünen Felsen. Vom Eissturmvogel, über den Basstölpel bis zum Papageientaucher. Diese Tiere bieten uns eine hinreißende Unterhaltungsshow: Mit ihrem kräftig roten Schnabel und dem markanten schwarz-weißen Gefieder erinnern sie mich an Harlekine. Unermüdlich fliegen sie mit der Nahrung für ihre Jungen in die Höhlen im zerklüfteten Vogelfelsen.

Seeluft macht hungrig. Wir landen auf Skotholmen, einer Nachbarinsel, in the middle of nowhere. Dort, im Kami, wartet schon der Küchenchef Magnus Bergseth mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Die verspiegelte Sonnenbrille in den braunen Locken krempelt er die Arme hoch, wetzt die Messer und holt einen prächtigen Dorsch aus einem Eiskübel, der in der Küche steht. Früher war das hier eine Heringsfischerei, heute ist die alte Lagerhalle ein Restaurant für Liebhaber von frischem Fisch.

Und der Mann kann kochen wie ein Star, die Krabbensuppe ist ein Gedicht, der Fisch zum Hauptgang auch. Zum Restaurant gehört auch ein Maskottchen, eine fast zahme Möwe, die sich vor dem Fenster platziert und interessiert beim Anrichten der Leckereien zuschaut. Sie heißt Astrid und weiss genau, dass es nach unserem Dessert auch für sie noch ein Mittagessen geben wird.

Zurück in Ålesund gehen wir dann in die Luft. Überraschung, die Reise geht weiter per Helikopter, wieder ein kleiner Härtetest für mein Kontrollzentrum, aber dank dem fantastischen Wetter und dem Sitz neben dem Piloten ist dieser 20-minütige Flug nach Norangsdal ein Genuss. Von oben sieht man, wie die Fjorde langen Fingern ähnlich aus dem blau-grünen Wasser in das Landesinnere hineinragen. Wir sehen grüne Almwiesen mit verlassenen Berghöfen und Wasserfälle, die in die Tiefe stürzen.

Die Fjorde sind einst durch Talgletscher entstanden. Das Eis führte große und kleine Gesteinsbrocken mit sich, vertiefte und verbreiterte so die schon bestehenden Flüsse, so dass das Flusstal seine typische U-Form erhielt. Als dann am Ende der letzten Eiszeit der Meeresspiegel anstieg, strömte zusätzlich Wasser in die Täler und füllte die Gräben auf, die so tief sind, dass selbst Kreuzfahrtschiffe bis zum Ende vieler Buchten fahren können. Norangsdal ist berühmt. Eingerahmt von eindrucksvoll gezackten Berggipfeln, war das winzige Örtchen schon immer Inspiration für weltberühmte Künstler und Schriftsteller wie Karen Blixen, Knut Hamsun and Sir Arthur Conan Doyle. Auch die Royals machten es sich hier regelmäßig nett, residierten im Hotel Union Øye. Kaiser Wilhelm II. gehörte zu den Stammgästen. Morgens liebte er Frühsport mit Gymnastik, bei dem er seinen Mitturnern wohl gerne schon mal die Hosenträger durchschnitt (etwas seltsamer Humor), abends am Kamin wurden dann Intrigen gesponnen.

Die zwölf Suiten im Union Øye sind nach diesen Persönlichkeiten benannt. Dreimal dürfen Sie raten, welcher Promi einst in meinem Zimmer nächtigte. Richtig! Der Kaiser! Das Himmelbett ist eher klein und knarrt ein bisschen, aber immerhin mit kaiserlichem Wappen. Das Badezimmer wird von einer XXL-Badewanne geschmückt, ein Ungetüm auf vier goldenen Löwentatzen.

Das charmanteste war wieder einmal die Begrüßung; bei Anflug stand eine norwegische Schönheit in Landestracht bereit und strahlte übers ganze Gesicht: Mariann. Und auch hier wieder erst einmal eine dicke Umarmung («You must be Stephanie»). Irgendwie habe ich das Gefühl, es ist tatsächlich ernst gemeint. Die nächsten 24 Stunden ist sie immer lachend und aufmerksam für uns da, und das alles, als wäre es eine Selbstverständlichkeit. Auch Marianns Geschichte ist leicht bizarr. Das Hotel gehörte ihrem Vater, der verkaufte an Familie Flakk, sie wurde quasi mitverkauft und war mit 21 Jahren die jüngste Hoteldirektorin Norwegens. Das Union Øye ist ihr Baby, sie gehört quasi zum Inventar und scheint auch ein bisschen Narrenfreiheit zu haben. Erst vor kurzem kaufte der Eigentümer einen wundervollen Oldtimer, einen Lasalle von 1930 – bordeauxrot mit beigefarbenem Faltdach –mit dem düst sie jetzt über die Insel.

Tag drei, wieder ein Highlight. Bei strahlendem Sonnenschein, so warm, dass man in T-Shirts bereits schwitzt, geht es auf die Kajaks. Die Sonne lacht, trotzdem ist das Wasser kalt. Eisig kalt. Kollegin Annette verspricht, dass ich mir keine Sorgen machen muss, da sie im letzten Leben eine Kajak-Olympionikin war. Also gut, Rettungsweste an, rein ins Kajak, los in den Fjord. Umrahmt von einer Bilderbuchlandschaft, die schöner nicht sein kann, paddeln wir los. Die Glückshormone tanzen Tango. Ich verstehe das mit dem lebenswertesten Land jetzt besser; diese Natur ist unglaublich, reinste Luft, das Wasser tiefblau und sauber, die Menschen liebenswert, hier kann man es gut aushalten. Wir lassen uns treiben und genießen, keiner sagt was, jeder sinniert vor sich hin. Auch der Gastgeber lächelt versonnen, er freut sich, dass alle seine Pläne aufgehen. Nicht bei jeder Reise nach Norwegen ist der Wettergott so gütig.

Als wir mit den Kajaks anlegen, wartet die kleine Yacht bereits und es geht entlang der endlosen, einsamen Fjorde weiter zum dritten Hotel: Storfjord bei Glomset. Ein Boutiquehotel am Waldrand mit Blick übers Wasser, ein perfekter Ort, um ein paar Tage zu entspannen. Da wir hier nur eine Nacht sind, testen wir gleich alles im Schnelldurchgang und sitzen kurze Zeit später im Outdoor-Jacuzzi mit einem kalten Getränk, Geschäftsreisen machen Spaß.

Dazu gibt es dann noch eine Lektion in Sachen Norwegen und Transparenz. Ich treffe Tjorven, eine allein reisende Bibliothekarin und Mutter von drei Kindern. Bei einem Glas Weißwein – dazu gibt es würzige Elchsalami und hauchdünnes Flatbrød – kommen wir ins Reden. Darüber, dass der Reichtum des Landes (das Pro-Kopf-Einkommen liegt bei monatlich EUR 4’600) nicht zuletzt den großen Ölvorkommen zu verdanken ist, die eigene Energieversorgung aber zu 99 Prozent über Wasserkraft läuft. Über das Gesundheitssystem (es gibt nur eine staatliche Krankenkasse, in die alle einzahlen), darüber, dass es hier, im hohen Norden, verpönt ist, seinen Reichtum offen zur Schau zu stellen und dass die Steuerbehörde jeden Herbst sämtliche Steuerdaten aller Bürger öffentlich macht. Mit ein paar Klicks können die Norweger nicht nur die Einkommensverhältnisse von Politikern, Schauspielern und Industriellen checken, sondern auch nachschauen, ob der Nachbar sein neues Boot aus versteuertem Einkommen bezahlt hat oder dafür in seinen Sparstrumpf greifen musste. Das muss man sich mal vorstellen! So eine Transparenz wäre in Deutschland undenkbar! Die Norweger dagegen finden nichts dabei.

Nach drei Tagen geht die Entdeckung per Mietwagen in Richtung Süden weiter. Annette ist für die Navigation zuständig, ich bin die Fahrerin. Bei den pittoresken Überlandfahrten kommt man nicht ganz ohne Konzentration aus: Viele Straßen sind extrem schmal, also einspurig, und in Norwegen herrscht das Höflichkeitsprinzip. Das klappt unter den Einheimischen prima, man munkelt, mit den deutschen Wohnmobilfahrern eher nicht. Schaut man auf die Landkarte, glaubt man eigentlich nicht, dass man hier überhaupt Auto fahren kann, da überall Fjorde die Straßen kreuzen, aber das haben die Norweger schlau gelöst mit zahlreichen Fähren und Tunneln. Die Fähren fahren regelmäßig, eigentlich mussten wir (in der Nebensaison unterwegs) nie mehr als zehn Minuten warten. Die Tunnel dagegen haben es in sich. Der längste Straßentunnel verbindet die Gemeinden Aurland und Lärdal und ist 24,51 Kilometer lang. So lange in einer dunklen Röhre zu fahren, das ist schon ein wenig unterirdisch.

An Tag sechs der Reise erreichen wir Bergen. Die kleine Stadt ist malerisch mit ihren bunten Holzhäusern und im Sommer Anziehungspunkt aller Kreuzfahrtschiffe in Norwegen.In der Vorsaison ist der Ort mit Sonne wirklich sehenswert, im Hochsommer eher ein kurzer Stopp am Ende einer Rundreise.

Hier wartet allerdings die dickste Umarmung: Alf, der Eigentümer und Kapitän der Yacht, die schon ganz viele C&M-Kunden glücklich durch die einsamen Fjorde geschippert hat, drückt mich, bis mir die Luft ausgeht. Was für ein Urgestein! In Norwegen heißt er nur «Oyster Dundee» und der Spitzname ist schnell erklärt. Alf betreibt seit Jahren das erfolgreichste Fisch- und Austernrestaurant Norwegens und ist ein wettergegerbter Seebär. Das Meer ist sein Element – alles, was damit zusammenhängt, die Natur, die Fische, die Brise, der Sturm und auch die Ruhe danach, dafür lebt er. Was für uns vielleicht das Auto in der Garage ist, das ist für ihn sein Boot. Es «parkt» am Anleger vor seiner Terrasse, sodass er es auch abends sehen kann.

Wir verbringen einen Tag auf dem Wasser mit Alf und seiner charmanten Tochter Karianne, die jetzt als nächste Generation in das Business einsteigt. Es gibt eine Aufbruchsstimmung in Norwegen für exklusive, außergewöhnliche Hotellerie-Konzepte. Zwischen Austern, Dorschen und Krabben diskutieren wir über Glamping-Zelte und Gastfreundschaft. Das ist insofern lustig, als dass der Norweger an sich es mit dem «Dienen» nicht so hat. Dem Gast den Koffer aufs Zimmer zu tragen, finden sie hier eher ungewöhnlich.

Spätabends holt mich die Realität dann im Hotel in Bergen wieder ein: Scandinavian Airlines streikt morgen, auch ungewöhnlich, das machen die sonst nie. Das heißt für mich, umdisponieren – es wird ein langer Tag von Bergen bis nach Frankfurt über Amsterdam. Macht nichts. Bei fünf Stunden Transit in Holland habe ich Zeit, um alles aufzuschreiben. Und da sitze ich jetzt im geschäftigen Flughafen Schiphol, alles rennt und hastet. Trotzdem kann mich das nicht aus der Ruhe bringen. Ich komme ja aus dem Land, wo Gott wohnt, sehe immer noch diese wahnsinnige Natur vor mir, genieße einen leichten Sonnenbrand und habe Muskelkater von den innigen Umarmungen. Schön war’s!

Japan ist ein Land der Perfektionisten. Nirgendwo sind die Parks so aufgeräumt, die Strassen so sauber und das Essen auf dem Teller so akkurat angerichtet wie hier. Selbst der Vulkankegel des heiligen Mount Fuji ist so perfekt geformt, dass er einmalig auf der Welt ist. Das ist faszinierend – aber manchmal ist der japanische Lifestyle auch einfach nur maximal verwirrend.

Ein spannender Roadtrip von Osaka bis Tokio.

Auf dem Bahnsteig an Gleis 2 steht ein Mann in dunkelblauer Uniform und regt sich nicht. Die Hände stecken in weissen Handschuhen und sind akkurat an die  Hosennaht  gelegt,  seine Füsse hat er parallel zu den grauen Fugen der Fliesen ausgerichtet. Mit leicht zusammengezogenen Augenbrauen  starrt er auf die Anzeigentafel neben der Rolltreppe. 14:00 Uhr. Die S-Bahn fährt pünktlich ein, der Mann dreht sich um 90 Grad. Als wir einsteigen, verbeugt er sich tief. Auch die anderen Passagiere, die an diesem Mittag vom Flughafen Osaka in die Stadt fahren wollen, werden so formvollendet verabschiedet. Einer nach dem anderen steigt ruhig und ohne zu drängeln in den Zug. So haben wir es uns vorgestellt. Japan – das Land, wo Höflichkeit, Respekt und Pünktlichkeit die wichtigsten Säulen der Gesellschaft sind. Die Türen schliessen und wir sind froh, dass wir auch ohne englische Beschilderung den richtigen Zug erwischt haben. Jetzt kann das Abenteuer beginnen. Und wir sind bereits mittendrin: Eine junge Frau läuft zügig durch das Abteil. Ihr Blick schweift über den Boden. Plötzlich bückt sie sich blitzschnell, hebt einen winzigen Papierschnipsel auf,  steckt  ihn in die Handtasche und sucht weiter.  Eine  Verrückte?  Nein,  sie ist Teil des Reinigungsteams der Bahn. Besen, Kehrblech oder Müllsack braucht sie für ihre Arbeit nicht. Hier kommt niemand auf die Idee, seinen Kaffeebecher einfach auf den Boden zu schmeissen oder seine Zeitung auf dem Sitz liegen  zu lassen – wir sind schliesslich in Japan!

Und um es gleich vorwegzunehmen, als Reisedesignerin bin ich rund hundert Tage im Jahr in der ganzen Welt unterwegs. Ich schaue,  lerne,  staune,  erlebe.  Vor  einigen  Jahren  war  ich schon einmal in Japan. Erstaunlicherweise war es  das  erste und einzige Land, in dem ich tatsächlich ein bisschen Heimweh hatte und gleichzeitig tiefste Faszination erlebte. So fremd und doch so lieblich, so irritierend, so westlich modern und im selben Atemzug unglaublich traditionell und exotisch. Es ist ein Land, das einen herausfordert.

Dieses Mal habe ich es besser geplant, ich reise nicht alleine – mit im Gepäck: Gaby Herzog, eine gestandene Journalistin. Weltenbummlerin, Weltversteherin und viel geländefähiger für eine Kultur, die mir so  total  fremd  ist.  Gaby  war  noch nie in Japan und ist total aufgeschlossen und voller Vorfreude. Eine perfekte Kombi: Ich bin zuständig für die Logistik und das Erleben, sie für den kulturellen und geschichtlichen Background und für die Völkerverständigung. Unsere Route führt uns in zwei Wochen von Osaka bis nach Tokio. Und zwar auf eigene Faust, mit dem Mietwagen. Auf diese verwegene Idee kommen in Japan wohl nur wenige Touristen. Wie exotisch das Vorhaben ist, uns hier in den Verkehr zu stürzen, merken wir auch schon an der Reaktion der Dame bei der Autovermietung.

Als wir mit unseren Koffern über den Parkplatz auf ihren Bürocontainer zurollern, kichert sie verlegen, schliesslich spricht sie kaum englisch. Das Übernahmeprotokoll ist auf Japanisch (jetzt kichern wir verlegen und unterschreiben)  und auch das Navigationsgerät in unserem Toyota lässt sich nur bedingt auf Englisch umstellen. Die Knöpfe, auf denen vermutlich «O. K.», «alternative Route» und  «Lautstärke» steht, sind mit japanischen Zeichen beschriftet. Gut, dass wir vorher eine Offline-Karte auf unsere Handys geladen haben.

Beschwingt davon, dass wir so gut vorbereitet sind und vielleicht auch noch nicht ganz zurechnungsfähig wegen des Jetlags, machen wir uns auf den Weg.  Unser  erstes  Ziel  ist die private Villa von Mr. Matsubayashi, zwei Stunden Fahrt von Osaka entfernt. Orte wie diese gibt es in Japan nur  selten. Das Bauernhaus mit  einem  traditionellen  Schilfdach liegt in den Bergen,  in  der Nähe  von  Nara.  Vor  dem  Haus ist ein wunderschöner japanischer Garten angelegt. Der Kies rund um die kleinen, knorrigen Kiefernbäume ist akkurat geharkt. Vor dem Teehaus gurgelt ein Wasserspiel, im Hintergrund Berge, die zum Ende des Jahres  in  das  prächtige Rot des Fächerahorns gefärbt sind. Der Herbst ist nach der Mandelblüte im Frühjahr wohl die schönste Reisezeit.

Herr Matsubayashi bittet uns die Schuhe vor der Tür auszuziehen und reicht feierlich zwei Kimonos und seidene Tobi-Socken (Fäustlinge für die Füsse).  Auf  denen  sollten  wir im Wohnzimmer laufen, während es im WC unverzichtbar sei, ausserdem in die dort bereitstehenden  Badschuhe  zu schlüpfen. Das Einhalten der alten Bräuche ist unserem Gastgeber ein tiefes Anliegen. Herrn Matsubayashi und der Völkerverständigung zuliebe quetsche ich mich also brav in Schuhgrösse 36 (41 wäre passender) und tipple in kleinen Schritten durchs Bad. Das Herz unserer Unterkunft ist das Wohn- und Schlafzimmer mit einer «Irori»-Feuerstätte. Die Einrichtung ist einfach und reduziert. Westliche  Designideen hat der Hausherr bewusst ferngehalten. «Es  geht  um die Balance von Zivilisation und Natur, Stadt und Land, Fortschritt und Glück», erklärt er. «Hier soll der Geist die Möglichkeit haben, zur Ruhe zu  kommen.» Der  Boden  ist  mit Tatami-Matten aus Reisstroh ausgelegt, die einen angenehmen Duft verströmen. Die Wände sind aus Lehm und die Türen mit Papier bespannt. Es gibt weder Stühle noch ein Sofa und  sogar das Bett fehlt. Matsubayashi interpretiert meinen  suchenden Blick richtig: «Keine Sorge, die Futons liegen im Schrank da drüben und werden abends für Sie ausgerollt.»

In den nächsten Tagen weisen uns Herr Matsubayashi und seine Frau in die japanische Lebensart ein. Dazu gehört natürlich Shabu Shabu – japanischer Feuertopf. Über den glühenden Kohlen, die auf den Sand in der Feuerstelle im Wohnzimmer geschüttet werden, wird eine heisse Brühe gekocht. Mit unseren Stäbchen nehmen wir hauchdünn geschnittenes Rinderfilet von einem Teller und tauchen es in die aromatische Suppe. «Schwing hin, schwing her – Shabu Shabu»,  nach zwei Sekunden ist das Fleisch gar und wird in würzige Sesamsauce getunkt. Dazu gibt es Gemüse und Pilze. Ein leichtes und extrem leckeres Abendessen!

Am Morgen müssen wir früh raus. Unser Gastgeber ist praktizierender Yamabushi-Mönch und hat angeboten, uns an die heiligen 48 Wasserfälle von Akame zu führen. Die Wanderung im Frühnebel, entlang des Flusses, beginnt er mit einem kräftigen Stoss in das Horagai, das grosse Muschelhorn. Mit diesem tiefen, mystischen Ton, der noch lange an den Felswänden widerhallt, begrüsst Mr. Matsubayashi den Wald. Dann spricht er leise seine Sutras, die uralten Ferse.

Wir sind wie verzaubert von  diesem  spirituellen  Ausflug und sehen unseren Gastgeber mit neuen Augen. Er eröffnet uns Einblick in ein Japan, wie es die meisten Japaner schon nicht mehr kennen. Unser Staunen  ist  für  Herrn  Matsubayashi  ein  Ansporn. Am Abend reserviert er einen Tisch in einem Restaurant im Nachbarort. Der Sushimeister dort ist sein Freund. Für die Gäste aus Deutschland legt auch er sich  richtig  ins  Zeug.  Zwei Stunden lang landen fischige Delikatessen auf meinem Teller, vom Lachs über den Butterfisch bis zur Seegurke. Jeder Happen ist ein optisches und lukullisches Kunstwerk. Eigentlich bin ich kein grosser Fan von rohem  Fisch,  aber  hier mache ich eine Ausnahme. Erst als der Koch mit einem Köcher einige Garnelen aus dem Bassin holt und ihnen vor meinen Augen den Kopf abtrennt, verlässt mich mein kulinarischer Mut. Als der kopflose Leckerbissen dann auf meinem Teller zappelt und fast vom Reishäufchen hüpft, ist bei mir Schluss. Unauffällig bugsiere ich ihn auf den Teller meiner Mitreisenden. Ich möchte durch meine plötzliche Appetitlosigkeit niemanden verletzten. Gaby ihrerseits zuckt keine Sekunde, lächelt erfreut und rettet mich mit  einem  Happs  aus der Situation.

Nach zwei Tagen machen wir uns auf den Weg nach Kyoto, der alten Kaiserstadt. Auch hier ist alles so sauber und aufgeräumt, dass man immer den Eindruck hat, man wäre in eine perfekte kleine Spielzeugwelt geschrumpft worden. Am späten Nachmittag schlendern wir durch die Gassen von Gion. In diesem Stadtteil sollen die Geishas wohnen. In der Dämmerung machen sich die Frauen im Kimono, schwarzer Echt- haarperücke und den schneeweiss geschminkten Gesichtern auf den Weg zur Arbeit. Ihr Jobprofil lässt sich am ehesten mit Gesellschaftsdame übersetzen. Sie unterhält Männer beim Abendessen, auf Partys und bei Cocktail – Empfängen, animiert sie zu Trinkspielen, spielt die Langhalslaute. Das kostet rund 3’000 bis 5’000 Euro pro Person an einem Abend. Auch wenn man bei den Preisen andere Erwartungen haben könnte – mit Prostitution hat das angeblich nichts zu tun. Aber mit Emanzipation auch nicht … Vielleicht ist das der Grund, warum es heute nur noch 200 Geishas in Kyoto gibt? Früher sollen es fast 18’000 gewesen sein.

Fakt ist: wir sehen keine. Mehrfach schon haben wir unsere Handykameras gezückt, weil eine Frau im Kimono auf ihren (extrem unbequemen) Holzpantilen an uns  vorbeitippelt. Aber schnell erkennen wir, dass es sich dabei um Touristinnen handelt, die sich für rund 3’000 Yen (24 Euro) in einem der vielen Kostüm-Verleihe für ein paar Stunden in die traditionelle Tracht kleiden lassen. Am nächsten Tag sehen wir dutzende junge Damen, die so herausgeputzt sind, vor den spektakulären Sehenswürdigkeiten für ein Erinnerungsfoto posieren.

16 Tempel, Schreine und Burgen in Kyoto stehen auf der UNESCO-Weltkulturerbe-Liste. Die alle zu besuchen ist für uns in der kurzen Zeit unmöglich. Darum lassen wir Herrn Watanabe, unseren Guide, die Auswahl treffen. Er bringt uns zur Goldenen Pagode, zur Pagode des Ninna-ji Tempels und zum Zen-Tempel Ryõan-ji mit seinem berühmten Steingarten, über den schon Queen Elizabeth besonders «amused» gewesen sein soll. Grossartig! Hochkultur!

Leider sind all diese Orte  sehr  voll.  Den  Japanern  macht das nichts aus. Während wir Westler uns  gerne  der Illusion hingeben, wie Robinson Crusoe als erste Besucher einen Ort zu entdecken, ist  das  bei den  Japanern  ganz  anders. Die Anwesenheit besonders vieler Touristen ist für sie ein Zeichen dafür, dass es sich um eine besonders spektakuläre Sehenswürdigkeit handeln muss, und die will man sich natürlich ansehen. Dass es voll ist, wird also positiv gewertet, als «tanoshii». Das bedeutet so viel wie «lustig» und ist eine besondere Auszeichnung.

Ein paar Stunden lang bewegen wir uns, ganz japanisch «lustig» mit dem Strom. Im Bambushain von Arashiyama ist Mr. Watanabe sogar in der Lage, ein Foto von mir zu machen, das Waldeinsamkeit suggeriert, obwohl sich die  Besucher  hier  auf die Füsse treten. Aber irgendwann reicht es. Pause bitte!

Herrn Watanabe wundert unser Ruhebedürfnis zwar, aber hat sofort eine Idee. Fünf Minuten später halten wir auf dem einsamen Parkplatz des Otagi-Nenbutsu-ji-Tempels. Kein Mensch weit und breit. Dafür begrüssen uns die freundlichen Blicke hunderter kleiner, aus Stein gehauener Buddhas, von denen einer verrückter aussieht als der andere. Die kahlköpfigen Figuren gehen den unterschiedlichsten Hobbys nach. Der eine trägt einen Tennisschläger im Arm, der andere Boxhandschuhe, ein Buddha mit Brille liest, der daneben spielt Saxophon.

Dieser Tempel, so erklärt uns unser Guide, sei eigentlich schon zwölf Jahrhunderte alt. Doch nachdem er 1950 von einem Taifun verwüstet wurde, geriet er als Ruine in Vergessenheit. Erst in den 1980er Jahren hatte  Kocho  Nishimura, ein buddhistischer Priester, der auch Bildhauer von Beruf war, die verrückte Idee: Er bot Gläubigen an, gegen eine Spende eine Buddhastatue für die Anlage nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Clever!

Unser letzter Stopp für den Tag ist der Fushimi-Inari-Taisha- Schrein. Er gehört zu den schönsten  Shinto-Schreinen  in ganz Japan. 794 nach Chr. wurde er errichtet und ist der Reisgöttin Inari gewidmet. Besonders markant sind seine Alleen aus tausenden «Torii», die sich  wie  ein  Lindwurm  den Berg hinaufschlängeln. Die Tore, die in warnwestenorange lackiert sind, wurden und werden bis heute von reichen Geschäftsleuten und Firmen gespendet. Sie wollen mit ihren Gaben die Götter um Erfolg bitten. Damit die Götter auch wissen, wen sie unterstützen sollen,  sind  die  Namen  der Spender auf die Hinterseite der Pfähle geschrieben. Am Wegesrand entdecken wir eine Preisliste: Das kleinste  Tor, das aufgestellt wird, kostet 175’000 Yen. Das sind umgerechnet rund 1’400 Euro – diese Summe hat man in Japan zwar schnell ausgegeben, aber dennoch entscheiden sich die meisten Besucher dann doch für ein Miniatur-Tor. Das kostet nur 10 Euro. Auf die Rückseite schreibt man seine Wünsche und hängt es an eine Stellage.

Nach drei Tagen intensiven Sightseeings wird es Zeit für Entspannung. Wir fahren in den Ise-Shima National Park und besuchen ein kleines, edles Resort, das an der malerischen Ago-Bucht liegt. Für 24 Stunden geben wir uns dem süssen Nichtstun hin, baden im warmen Thermalbecken, geniessen die malerische Küstenlandschaft.

So erholt machen wir uns dann auf den Weg zu den  Amas,  den Meerfrauen. Wir haben uns zum Mittagessen  angemeldet und betreten eine mit schwerem Rauch gefüllte Holzhütte. Vor dem offenen Feuer kniet eine Frau mit weissem Kopftuch, weisser Bluse und einem karierten Rock. Sie legt neben grossen Seeschnecken auch eine Abalone auf den Grill. Diese Seeohren» sind wegen ihres besonderen Geschmacks und  der wunderschön schimmernden Perlmutt-Schale eine ganz besondere Delikatesse.

Masume Mihara hat sie selber geerntet. Die 70-Jährige ist aktive Apnoetaucherin. Jeden Morgen schwimmt  sie  mit ihren Kolleginnen raus aufs offene Meer und macht sich – ohne Sauerstoffflasche – auf die Suche. Bis zu 20 Meter tief können diese Frauen tauchen, einige halten die Luft bis zu eineinhalb Minuten an. Faszinierend! Warum Männer traditionell nicht nach Abalonen tauchen, wird  einfach  erklärt.  Sie haben weniger Körperfett, heisst es, da können sie die Kälte schlecht vertragen.

Nach dem vorzüglichen Essen beginnen die Amas rund um die Feuerstelle zu tanzen. Ich mache mir so meine Gedanken, ob diese betagten Damen tatsächlich da noch jeden Morgen rausschwimmen. Oder ist auch das, wie die Geishas, eine aussterbende Zunft, die hier eigentlich nur noch für den Touristen am Leben gehalten wird? Die Frage kann nicht gestellt werden – wir sind ja höflich –, also machen wir noch ein Abschiedsfoto mit den Damen in Tracht und verabschieden uns.

Unser nächster Halt ist ein Ryokan, ein traditionelles Gasthaus und ein Muss auf jeder Japanreise. Die meisten dieser edlen Häuser haben einen Onsen, eine heisse Badestelle mit Wasser aus einer Thermalquelle. Japan liegt auf dem pazifischen Vulkangürtel und hat alleine 110 noch aktive Feuerberge, daher finden sich diese Onsen fast überall im Land.

Das Empfangskomitee hockt auf Knien und ist beim Ausziehen der Schuhe behilflich, alles clean und unfassbar aufgeräumt. Später bringt uns das  Zimmermädchen  grünen  Tee in einer eisernen Kanne. Als sie eine Packung Zigaretten auf dem Tisch liegen sieht, erklärt sie uns höflich, dass auf der Terrasse Rauchverbot sei. Rauchen nur im Zimmer. Aha. Das habe ich ja noch nie gehört. Aber in Japan  wundert  mich nach neun Tagen nur noch wenig. Die Japaner ticken einfach anders als alle Völker, die ich auf meinen Touren erlebe. Das mag auch daran liegen, dass Japan erst  seit  der  Meiji-Ära,  vor 150 Jahren, Fremde auf die Insel lässt. In der Abgeschiedenheit vom Weltgeschehen haben sich viele eigene Regeln herausgebildet.

Nur ein Beispiel: Gastgeschenke. Die haben grösste Bedeutung. Dabei ist die Verpackung mindestens so  wichtig  wie der Inhalt. Nicht zuletzt deswegen, weil Geschenke nie  vor den Augen des Gastes ausgepackt werden. Das wäre unhöflich. Verschenkt werden neben Süssigkeiten  handgeschnitzte Zahnstocher, schönes Papier und blank polierte Riesenäpfel, die umgerechnet rund 20 Euro kosten (ein Apfel, nicht eine Kiste). Gut zu wissen ist auch, dass Präsente nie in weisses Papier gepackt werden. Die Farbe steht für Trauer. Auch Schleifen bringen Unglück, genau wie die Zahl Vier.

Fettnäpfchen gibt es in Japan so viele wie Regeln. Jede Begegnung in diesem Land ist wie ein ritualisierter Tanz mit höflichen  Verbeugungen,  Handbewegungen,  viel  Lächeln und immer wieder denselben Floskeln.  Japaner  betten  ihren Alltag in einen einzigen grossen Klangteppich aus Höflichkeiten. Für diese Art des perfekten Betragens gibt es ein Wort: «majime». Menschen, die «majime» sind, leben eine Mischung aus Perfektionismus und einem Saubermann- Image. Sie spielen stets nach den Regeln und versuchen, alles so exakt wie möglich zu tun.

In einem Onsen gibt es natürlich auch viel zu beachten. Tätowierte haben generell keinen Zutritt. Die Körperbilder sind in Japan das Erkennungs-Zeichen der Yakuza, der japanischen Maffia, und deswegen stockt braven Bürgern schon beim Anblick einer Rose am Bauchnabel der Atem …

Die Prozedur im Bad beginnt mit einem Reinigungsritual. Man sitzt auf Schemelchen und schrubbt sich, bis die Haut rot ist, und dann erst geht es ab in die kochend heisse Quelle. Ganz, ganz langsam lasse ich mich zentimeterweise ins Wasser gleiten. Zwei ältere Japanerinnen mit Duschhaube, die bereits im Onsen sitzen, lächeln mir aufmunternd zu. «This is like Shabu Shabu», sage ich, als ich eintauche. Die Damen stutzen kurz, dann prusten sie los und können sich vor Lachen kaum halten. Obwohl sie kein Wort Englisch sprechen – das haben sie verstanden.

So entschleunigt sind wir gewappnet für Tokio. Diese Megacity ist wie eine Geburtstagskarte mit Musik: Das Gedudel ist faszinierend und doch ist man froh, wenn man sie zwischendurch einmal zuklappen kann. Entsprechend wichtig ist,  dass  hier die Unterkunft stimmt. Für uns ist es das Mandarin Oriental. Wie in einem Adlerhorst thront man im 25. Stock über der Stadt. Von hier hat man einen grandiosen Weitblick bis zum heiligen Berg Fuji und kann sich immer wieder runter ins Getümmel stürzen.

Nach Shibuya zum Beispiel. Dort gibt es die berühmte Kreuzung, die die meisten schon einmal zumindest  im  Fernsehen gesehen haben. Bei Grün dürfen hier die Fussgänger aus allen Richtungen gleichzeitig gehen. Das müssen wir uns natürlich ansehen. Am besten vom Starbucks Café im ersten Stock aus. Das ist kein Geheimtipp, sondern  hier  tummeln sich die Touristen. Kurz meldet sich meine kleine Klaustrophobie. Aber Gaby ist begeistert: «Das ist ja mal wieder richtig  ‹tanoshii›», stellt  sie  fest  und  zieht  mich  mit  in  das «lustige»  Getümmel.  Ich entspanne  mich  und  versuche  die Nummer mit japanischen Augen zu sehen. Das hilft. Je mehr Menschen da sind, desto grösser die Attraktion. Mit dieser Einstellung kann man dem quirligen Irrsinn tatsächlich etwas abgewinnen …

Als wir rausgehen, warten dort vor der Ampel zwölf Gokarts mit tuckernden Motoren. Die Fahrer tragen Tierkostüme, winken, hupen, machen Selfies … eine Stadtrundfahrt der anderen Art. Wir biegen in eine Seitenstrasse ab und landen im nächsten Rummel. Da gibt  es  Automatenläden  wie  auf  der Kirmes. Hier kann man seine Geschicklichkeit trainieren und versuchen, mit einer ferngesteuerten Zange ein riesiges gelbes Pokémon aus dem Glaskasten zu befreien. Im Laden nebenan stehen 100 Automaten. Anstelle von Kaugummis kann man hier so sinnvolle Dinge wie Hüte für Katzen oder Handyanhänger mit kleinen Sumoringern in Raumanzügen ziehen. Die Angebote richten sich nicht etwa an Kinder – die man in dem Land mit einer der  niedrigsten  Geburtenraten der Welt eh nur selten sieht –, sondern an Erwachsene.

Auch im Katzencafé – keine Kinder. Hier  muss  man  nicht  nur seine Getränke zahlen, sondern auch die Besuchszeit. Zehn Minuten zwei  Euro.  Schnell  ziehen wir  die  Schuhe aus, desinfizieren die Hände und dürfen dann mit  einer  Schar Katzen (sehr edel, sehr gelangweilt) in einem Raum sitzen. Wer die Miezen füttern will (kostet 5 Euro extra), der bekommt eine Schürze und Brekkies. «Müssen wir keine Handschuhe tragen?», fragt eine Frau. Nein, muss sie nicht. Die trägt man nur im Igelcafé …

Herrlich verrückt, dieses Tokio! Im Lift bemerkt Gaby, in den anderen Etagen gibt es noch mehr Cafés. Wir fahren  bis nach ganz oben. Im sechsten Stock landen wir in einem «GunCafé». Dort trinkt man seine Cola und isst Pizza, zwischendurch stehen die Gäste auf, gehen hinter eine Glaswand und schiessen mit einer Pistole  auf  einen  Pappkameraden.  Im fünften Stock: das Hospital Café. Die Bedienung trägt einen sehr kurzen, weissen Kittel und ein Stethoskop um den Hals. In der vierten Etage ist  eine  kleine  Bühne  aufgebaut, auf der stehen sieben Mädchen, die tanzen und singen. Davor 50 Männer im Alter von 18 bis 80, die singen mit, tanzen die Figuren nach und haben Leuchtstäbe in der Hand, wie die Flugzeugeinweiser am Rollfeld. Damit feuern sie die jungen Damen an. What a World, Samstagmittag um 14.00 Uhr. Als die Autogrammstunde beginnt, flüchten wir in den Aufzug.

Im klassischen Sinne schön ist die Stadt nicht. Immer wieder wurde sie durch Feuersbrünste, Erdbeben und Bombenangriffe im 2. Weltkrieg zerstört. Alte Gebäude gibt es kaum. Aber dafür gefühlt alles andere. «Tokio ist ein Mosaik aus einigen grossen und unzählig vielen kleinen Steinchen. Wie man das Bild zusammensetzt, bleibt einem selbst überlassen.» Diesen Satz habe ich in der Süddeutschen Zeitung gelesen und er stimmt. Das Nebeneinander von Subkultur und Hochkultur (Kaiserpalast, Asakusa-Tem- pel Sensoji, Nationalmuseum) ist atemberaubend. Selten sind so gebündelt so viele unterschiedliche Erfahrungen auf mich eingeprasselt, selten habe ich so viel gestaunt und so oft den Kopf geschüttelt und so viel gelernt.

«Warum gibt es eigentlich keine öffentlichen Mülleimer in Japan?», frage ich unseren Concierge am Abend. «Die  wurden aus  Sicherheitsgründen  1995  nach  dem  Giftanschlag der Aum-Sekte abmontiert», erklärt er. Und was machen die Menschen jetzt mit ihrem Müll? «Den nehmen sie  natürlich mit nach Hause», sagt er und nimmt meinen Pappbecher von Starbucks, den ich seit dem Morgen mit mir herumschleppe, entgegen und verbeugt sich dabei tief.

«Tanoshii». Lustig, dieses Japan.

Reisen ist immer ein Augenöffner und nimmt mich komplett aus meinem Alltag, das liebe ich an meinem Beruf. Phänomenal, vorgestern saß ich noch in meinem Büro in Frankfurt, jetzt sitze ich hier mit den Berberfrauen auf dem Boden und versuche Argannüsse zu knacken. Das machen die Frauen sechs Stunden am Tag in der Kooperative. Wie sie da sitzen, lachen und reden, scheint es auch ein sozialer Treffpunkt zu sein, außerdem verdienen sie damit richtig gutes Geld, denn Arganöl ist das flüssige Gold Marokkos. Geschickt knacken sie die harte Nuss mit einem Stein auf, zwei hellbraune, mandelförmige Kerne fallen raus, die später mit einer alten Steinmühle gemahlen werden. Ich klopfe und klopfe, aber meine Nuss, die will sich nicht öffnen, denke, das braucht ein bisschen mehr Übung, wir haben auf jeden Fall Spaß miteinander, gestikulieren mit Händen und Füssen.

Auf dem Weg zurück nach Hause wandern wir durch eine rote Schlucht und haben plötzlich Begleitung. «Salam aleikum», ruft Mohammed der Hirte von weitem und nur wenige Augenblicke später haben seine Ziegen uns auch schon eingeholt. Mindestens 30 schwarz-braun gescheckte Tiere mit strubbeligem Fell nehmen uns in ihre Mitte und klettern geschickt den schmalen, staubigen Pfad nach oben. Eine tierische Eskorte, vorbei an Kaktusfeigen, wildem Rosmarin und zart duftender Citronella. «Lauft schneller, die Sonne geht gleich unter», ruft der Mann mit dem rotbraunen Kaftan und die Ziegen antworten ihm mit einem freundlichen Meckern.

Erst als wir ein paar Minuten später oben auf der Dachterrasse sitzen und beobachten, wie der glutrote Sonnenball hinter den Bergen untergeht, verstehe ich, dass Mohammed gar nicht seine Ziegen, sondern uns antreiben wollte. Wie recht er hat! Diesen Ausblick auf das weite Tal im Abendrot sollte man wirklich nicht verpassen.  Unser erster Tag auf der «Route du Sud» geht zu Ende. Von Marrakesch aus haben wir uns auf den Weg in den Anti- Atlas gemacht, jene Gegend im Süden Marokkos, die touristisch noch kaum erschlossen ist. Das «Maison des Arganiers» ist unser erster Stopp.

Das Haus liegt auf einem Hügel inmitten eines alten, kleinen Dorfes. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Keine Autos, keine Mülltonnen, keine bunten Werbeplakate. Außer den steinernen Häusern der Berberfamilien mit ihren Ziegen, Staub, Geröll und Kakteen gibt es hier tatsächlich nichts. Auf den ersten Blick sieht auch unsere Unterkunft bescheiden aus. Man steigt eine Treppe nach oben, klettert durch ein kleines Tor, geht an einer alten Ruine vorbei und steht auf einmal vor einer mächtigen Holztür, die sich knarzend öffnet. Begrüßt werden wir von Hussein und Mohammed, den Butlern, die uns die nächsten drei Tage begleiten und für unser Wohl sorgen werden. Schon wieder ein Mohammed, so wie der Hirte eben und unser Koch gestern, so wie unser Fahrer und am Nachmittag der Honigverkäufer in dem kleinen Laden am Straßenrand? «Ja», sagt Mohammed und prophezeit, dass uns dieser Name noch häufiger begegnen wird. «In Marokko wird traditionell der älteste Sohn der Familie nach dem Propheten benannt. Auch der König trägt diesen Namen.»

Ich schaue ihn an und er lächelt verschmitzt. Dieses Lächeln kommt mir irgendwie bekannt vor. Mohammed, kennen wir uns? Da wird es ganz breit. Ja, das tun wir, er war schon mein guter Geist vor einigen Jahren im Hotel Dar Ahlam. Das Dar Ahlam liegt fünf Stunden östlich von Marrakesch und ist eine wunderschön hergerichtete alte Kasbah, die ich vor einigen Jahren besucht habe. Sie gehört einem Franzosen, Thierry Teyssier, der damals mit zwei außergewöhnlichen Projekten, besagtem Dar Ahlam und einem wunderschönen Weingut in Portugal, für Furore sorgte.

Der Mann ist ein Tausendsassa. In jungen Jahren ist er mit einer Theatergruppe über Land gezogen, dann gründete er eine Eventagentur, mit der er erst in Frankreich und später auf der ganzen Welt Veranstaltungen organisierte. Dabei hat er viele Hotels kennengelernt, und weil die ihn immer gelangweilt haben, entschied er sich, selber in die Branche einzusteigen und alles ein bisschen anders zu machen. Thierry inszeniert die Übernachtungen in seinen Häusern wie einen Opernbesuch. Jedes Erlebnis ist persönlich geplant und jede Mahlzeit wird zu einem Happening. Erlebt man das Frühstück auf der Dachterrasse, dann ist es fast sicher, dass das Dinner mit tausend Kerzen im Weinkeller oder unter einem knorrigen Baum im Gemüsegarten zelebriert wird. Nicht nur die Location, auch das Geschirr und die Dekoration sind immer anders. Routine scheint es in seinen Hotels nicht zu geben. Auch die Ausflüge führen zu den einsamsten, authentischsten und unbekanntesten Plätzen und Erlebnissen der Gegend. Thierry ist auch der Grund, warum ich jetzt hier im tiefen Süden Marokkos unterwegs bin, denn wir folgen seiner «Route du Sud», eine Erlebnisreise aus seiner Feder. Das Projekt ist so speziell, dass ich es erst persönlich anschauen muss, bevor ich als Reisedesignerin meine Weltenbummler dahin schicke. Ich weiß jetzt schon, es ist etwas Besonderes – aber nicht für jeden.

Entlang einer alten Karawanenstraße, auf der einst die Dromedare bis ins ferne Timbuktu zogen, hat Thierry drei Häuser für seine Gäste hergerichtet. Jedes Domizil hat Platz für bis zu sechs Personen und ist dank Thierrys gutem Geschmack und seiner Liebe zum Detail eine wunderschöne, charmante Unterkunft. Das Motto der «Route» ist: Der Weg ist das Ziel. Man fährt durch eine unbekannte, wilde Schönheit, den Anti-Atlas. Der hat im Norden noch grüne Vegetation, mit den im Frühjahr zart blühenden Mandelbäumen und den lustigen Kakteen, deren rote Früchte aussehen wie kleine Zehen an riesigen Füßen. Je weiter man nach Süden fährt, desto karger wird die Landschaft. Die Arganien mit ihren grün-gelben Früchten sind eine besondere Attraktion. Die Bäume gibt es überwiegend nur in dieser Region, aber dafür schon seit 25 Millionen Jahren. Kein Wunder, dass mich ihre knorrige Rinde an die Haut von Dinosauriern erinnert. Vier Jahre können diese erstaunlichen Bäume ganz ohne Regen überleben und dabei sogar Temperaturen bis zu 50 Grad aushalten. Ihr Trick: Sie haben Wurzeln, die bis zu 30 Meter tief in die Erde reichen, wo sie das Grundwasser anzapfen. Die erste Nacht im «Haus des Arganbaumes» hat mich wunderbar entschleunigt und ich bin total erholt. Tiefschlaf ohne Zivilisationsgeräusche, ab und an das Meckern einer Ziege aus dem benachbarten Stall und pünktlich um sieben das Krähen des Hahns.

Am Morgen laden wir unser Gepäck in große Ledertruhen um. Diese Schiffskoffer sind Teil der Inszenierung. Wie ein mobiler Kleiderschrank reisen sie in den kommenden Tagen mit uns weiter, festgeschnallt auf dem Dach des Jeeps. Das hat was, fühlt sich nach Expedition und Abenteuer an! Wir fahren los und kommen bald in eine karge, hügelige Steinwüste, nur ab und zu sehen wir ein kleines Dorf, ein paar Dromedare. Mohammed beantwortet geduldig unsere neugierigen Fragen. Von ihm lernen wir vieles über die alten Bräuche der Berber, das Arganöl, die Ziegenzucht und warum viele Männer ihre Augen mit schwarzer Farbe umranden. Der dunkle Strich ist ein Blendschutz gegen die gleißende Sonne und hält außerdem Insekten fern, erfahren wir. Noch heute verwenden viele Berber hierfür Galenit. Ein Pulver, das aus einem schwarz-silbernen Stein gewonnen wird.

Galenit? Moment mal! Ist das nicht Bleiglanz? Ein Bleisulfit, das schon bei bloßem Kontakt mit der Haut giftig wirkt? Mohammed nickt. Das hätten schon die alten Ägypter benutzt, sagt er. Ach! Soll nicht Königin Nofretete an den Folgen einer infektiösen Augenkrankheit gestorben sein? Gerade als wir darüber sinnieren, was der Mensch nicht alles für die Schönheit tut, taucht vor uns das blaue Meer auf. Wow, was für ein Ausblick! Über uns drehen vier Drachenflieger, vom Berghügel zum Meer, ihre Runden. Vermutlich sind sie mit den beiden Wohnmobilen unterwegs, die wir eben am Wegesrand gesehen haben.

Unser Fahrer biegt irgendwo im Nirgendwo ab, auf einen buckeligen Pfad, hinunter zum Wasser. Und hier: Überraschung, ein großes, rotes Felsentor ragt über den Strand ins Meer, erinnert mich ein bisschen an die Südküste Portugals – Postkartenidyll. Eine kleine Bucht mit Kieselstrand und mittendrin Thierry wie hindekoriert mit einem opulenten Picknick. Sitzkissen für jeden, Couscous-Salat und Bohnen mit Crumbles in Einmachgläsern, Obstsalat vom lokalen Markt und natürlich ein frischer Rosé. Der Mann weiß, was gut schmeckt. Während wir seine Philosophie diskutieren, schmiert er uns fürsorglich geröstetes Fladenbrot mit Oliven- und Thunfischpaste. Herrlich.

Wir fahren weiter. Wieder diese Weite. Unendliche Freiheit! Den Blick Richtung Horizont denke ich an Marrakesch. Bevor wir zur Route du Sud aufgebrochen sind, waren wir dort spätabends unterwegs. Ich mag diese exotische, trubelige Stadt mit ihren engen Gassen, den laut feilschenden Händlern und den skurrilen Gestalten zu nächtlicher Stunde auf dem Djemaa el-Fna, dem Platz der Gehenkten. Er ist das Herz der Stadt und hier trifft sich jeder und alles. Wasserverkäufer mit ihren bunten Hüten, Männer an kleinen Tischen, die Potenzmittel verkaufen, Frauen, die Henna-Tattoos malen, Märchenerzähler, Schreiber, Hütchenspieler, Musiker mit einem Huhn auf dem Kopf (bringt Glück) und der obligate Mann mit der Personenwaage (war leider nicht geeicht und somit uncharmant).

Vor den Ständen, an denen oft auf offenem Feuer gekocht wird, sind Holzbänke und Tische mit buntem Wachstuch aufgestellt. Diese kleinen Restaurants sind jeden Abend ein beliebtes Ziel für Einheimische und für Touristen, das Essen ist frisch und preiswert, die Atmosphäre supercool. Jeder Stand hat seine Spezialität, Tajine in jeglicher Variation, Muscheln, Schnecken und natürlich Schafsköpfe, das ist nichts für zarte Seelen, also schnell ein Foto und weiter. In einer Ecke sind die riesigen Nuss-, Dattel- und Feigenstände und nachdem wir uns durch die Trockenfrüchte gekostet haben, find ich mich in einem Stand plötzlich als Verkäuferin wieder. Es ist urkomisch, der Händler meint, ich könne ruhig ein bisschen dableiben, er würde dann die Preise erhöhen.

Was für ein herrlicher Irrsinn in einer spannenden, fremden Welt. Und jetzt erlebe ich hier, nur zwei Tage später, das Kontrastprogramm. Wir halten an einer Oase und haben unser nächstes Ziel erreicht: Maison de l’Oasis. Das Haus liegt wieder mittendrin, dieses Mal im Grünen unter 300 Jahre alten Dattelpalmen. 600 Familien leben in der Siedlung. Sie teilen sich das kostbare Wasser, das durch kleine Kanäle fließt und so nach einem gerechten Plan alle Felder bewässert.

Unsere Schiffskisten folgen uns auf einem Fahrrad beim Gang durch das Dorf zum Oasenhaus. Das sind zwei geräumige Lehmhäuser mit Zeltterrassen, entworfen von den Architekten, die das gerade eröffnete, wunderbare Yves-Saint-Laurent-Museum in Marrakesch gebaut haben. Umgeben von hohen Lehmmauern ist es wie eine Oase in der Oase. In der Mitte ein großes Lagerfeuer und sogar ein Feuertopf aus Lehm, in dem sie gerade frisches Brot für   uns backen. Bevor die Sonne ganz untergeht, machen wir uns auf einen Spaziergang durchs Dorf und geraten in eine Hochzeitsvorbereitung. Das muss ich sehen! Nach kurzer Rücksprache dürfen wir in die «Küche», eine leergeräumte Garage. Unglaublich! Hier stapeln die Berberfrauen gerade 120 gebratene Hühner. In vier riesigen Töpfen kocht das Gemüse. Es riecht so lecker, am liebsten hätten wir gleich mitgemacht beim großen Fest. Draußen stehen die Männer in hellblauen, traditionellen, langen Gewändern, die mit goldenen Fäden bestickt sind, und unterhalten sich. Diese Feier geht über vier Tage und viele Gäste sind aus ganz Marokko und sogar aus Paris und London angereist. Irgendwie passen die polierten Autos und die modernen iPhones nicht ins Bild der Dorfhochzeit. Hier treffen Tradition und moderne Welt krass aufeinander.

Noch schräger ist der Besuch im Heimat-Museum. Ein Riesentyp namens Hammed (kommt von Mohammed), 1,90 Meter groß, mit Kohlenaugen, stellt sich als Museumsdirektor vor. Strom gibt es in der alten Kasbah nicht. Also schalten wir die Lampen an unseren Handys ein und er führt uns wortreich durch das Sammelsurium von alten Werkzeugen, Wasserbehältern und Knochen. Dabei gestikuliert er wie ein Italiener und stößt immer wieder einen sehr lauten, dumpfen Schrei aus. «Ug!!» So klängen die Freudenschreie der Männer, erklärt er uns auf irritierte Nachfrage. Frauen hingegen würden ihre Zunge im Mund hin und her schnellen lassen. Das seien dann Youyous, erfahren wir, und Hammed gibt uns auch davon eine kleine Kostprobe. Jodeln auf marokkanisch? Die ganze Situation ist unfassbar grotesk.

Zurück in der Maison dann große Freude. Es gibt Hühnchen! Das habe ich mir seit dem Besuch in der Kochgarage heimlich gewünscht. Der Abend ist gerettet. Bevor wir ins Bett gehen, hat Thierry natürlich wieder eine Überraschung parat, ein Open-Air-Kino vor der Hütte. Eingewickelt in warme Decken liegen wir auf weißen Chaiselongues und schauen Casablanca – was sonst! Aber es ist kühl geworden, also gehen wir – nachdem er ihr in die Augen geschaut hat – schnell ins Bett.

Zum Frühstück gibt es wieder die leckeren marokkanischen Muffins und Nutella aus Arganöl, daran könnte ich mich gewöhnen. Nicht ganz so gut gefallen mir allerdings die langen Fahrten im Jeep. Auch wenn die Landschaft traumhaft ist, ist das manchmal einfach etwas zu viel Sitzerei. Das muss ich mit Thierry besprechen.
Aber nach drei Stunden kommt die Belohnung. Wir halten im Dorf Amtoudi in der Provinz Guelmim Es Semara. Unser Ziel ist eine alte Kasbah, die über dem Dorf thront. Man baute diese Burg damals nicht etwa als Wohnsitz für einen König, sondern als eine Art Speicher der Kostbarkeiten. Vor Jahrhunderten haben die nomadischen Stämme hier ihre Getreide-, Dattel- und Gewürzvorräte in Sicherheit gebracht. Wir klettern rauf. Mit dabei ein Maultier, das auf den Namen Aqil hört und schon 36 Jahre alt ist. Den alten Knaben haben sie extra für mich organisiert, wie peinlich, aber nach der Knie-OP ist das mein erster Hindernislauf bergauf.

Ich schaue das kleine Tier mit seinen großen, treuen Augen an und verspreche ihm: Auch wenn ich auf allen Vieren da rauf krabbele, auf dir reiten tue ich nicht. Und ja, ein bisschen zwickt mein Bein schon, aber oben angekommen ist alles vergessen, der Ausblick hier ist es wert. Während unten im Dorf der Muezzin ruft und sein Gesang in den Bergen widerhallt, erwartet uns hier oben ein Mittagessen der besonderen Art: Aus einer kleinen Behelfsküche kommen eine köstliche Tajine mit salzig eingelegten Zitronen und frische Grillspiesse, zum Nachtisch Erdbeermus mit Haselnuss. Wieder einmal eine gelungene Thierry-Inszenierung. Chapeau!

Zwei Stunden weiter dann unser letzter Stopp: «Maison Rouge». Das Haus klebt einsam am Hang, am Ende einer zu erklimmenden Schlucht. Unsere Schiffskoffer finden dieses Mal den Weg per Esel nach oben, es ist einfach zu steil, um sie einzeln hochzuschleppen. Vor uns türmt sich ein dramatisches Gebirge auf. Es sieht aus, als hätten Riesen im Gesteinsbrei mit einem großen Löffel gerührt. Faszinierend.

Unser letzter Abend, Thierry zeigt uns auf seinem Laptop Bilder seines neuesten Projektes, eine Art Pop-up-Hotel, das um die Welt zieht. Er ist voller Euphorie. Nächstes Jahr will er seine Gäste unter anderem in einem Tempel im Angkor Wat und in schwimmenden Fischerhäusern auf dem Tonle Sap in Kambodscha unterbringen. Gemeinsam lassen wir auch die «Route du Sud» Revue passieren und diskutieren unsere Eindrücke. Mein Fazit: Der richtige Trip für Menschen, die «off the beaten track» und sehr privat ein unberührtes Land entdecken wollen. Meine Empfehlung an Thierry, weniger fahren, mehr unternehmen und tiefer in die Lebenswelt der Menschen eintauchen.

Heute, gut eine Woche nachdem ich aus Marokko zurück bin, klingelt das Telefon. Es ist Thierry. Er hat nicht lange gezögert und ist nach unserer «Manöverkritik» sofort noch einmal nach Agadir geflogen. Dort fährt er jetzt über Land, um weitere Überraschungen für seine Gäste zu suchen. Euphorisch berichtet er mir von Safranfeldern, einem Camp in der Wüste neben einem Canyon und einem Bienengarten. Der Imker dort ist 92 Jahre alt und hält seine Bienen in traditionellen Korbröhren. Ich soll bald wiederkommen und Momo kennenlernen. Momo? «Ist eine Kurzform von Mohammed», erklärt Thierry. War irgendwie klar …

Man nehme: einen edlen Katamaran, eine herzliche Crew und kreuzt das passende Wetter an; Garantie für einen gelungenen Segeltörn. Bis hier ist alles noch ‚normal’ – edle Schiffe, gute Crews und passendes Wetter gibt es fast überall auf der Welt. Wenn die Macher hinter einem solchen Projekt aber Giorgia und Stefano Barbini heißen, Mamma Mia, dann kann man sich auf eine Überraschung einstellen.

Mit ihrer San Lorenzo Mountain Lodge auf 1200 Metern in den Südtiroler Alpen hat sich das Ehepaar aus der italienischen Modebranche schon seit einigen Jahren in die Herzen der Gäste zu Land – oder besser zu Berge – gekocht. Mit ihrem Katamaran ‚Blue Deer’ geht diese Erfolgsstory jetzt auf dem Wasser weiter.

Die Barbinis entführen den Gast in ein Italien, das noch herrlich ursprünglich ist. Weg von dreisprachigen Speisekarten und glitzernden Yachthäfen hin zu den echten, versteckten Juwelen auf kleinen Inseln und in unberührten Buchten.

Mein kurzes Wochenende startete in Gaeta, ein kleines Städtchen, zwei Stunden südlich von Rom, wo die Zeit stehen geblieben ist. Man spricht italienisch, man gestikuliert laut, und, man isst italienisch. Die nette Wirtin neben dem Bahnhof servierte uns ein paar Nudeln mit Thunfisch, die zum Niederknien waren.

Auf dem Weg zum kleinen Hafen sahen wir dann die Blue Deer schon aus der Ferne. Ein prächtiger Katamaran mit knapp 23 Metern und in Natura um ein vielfaches größer als es die Fotos erahnen lassen.

Schuhe ins Säckchen, Shorts an, Sonnencreme verteilt und schon sieht man das kleine Städtchen am Horizont verschwinden. Die Pontinischen Inseln sind das Ziel, die Spannung steigt. Ich kannte bis dato nur klassische Segelboote, ein Kat war neu, das Gefühl an Deck aber irgendwie angenehmer: Kein seitliches Geschaukel, sondern eher ein sanfter Tanz über die Wellen nach vorne.

Nach drei Stunden dann unser erster Stopp. Ventotene, eine knapp zwei Quadratkilometer große Vulkaninsel mit gerade einmal 500 Einwohnern, einer Piazza, einer Kirche und dem wichtigsten Museum für Ornithologie Italiens. Durch kleine Gassen klettert man die ausgetretenen Stufen hoch zum Aussichtspunkt, Autos findet man kaum, dafür aber ein antikes ‚Segway’, damit rumpelt es sich prächtig über die Pflastersteine.

Unten im Hafen wird dann erst einmal am Karren des Gemüsehändlers eingekauft. Das dauert natürlich, denn alles hat eine Mamma-Mia-Geschichte und nach 20 Minuten ziehen wir glücklich mit unserer Beute wieder in Richtung Yacht.

Frische, in Salz eingelegte Kapern, Oliven aus eigenem Anbau und Tomaten mit Geschmack. Unsere Köchin an Bord verwandelt die frischen Gaben sofort in eine köstliche Zwischenmahlzeit.

Ventotene war schon immer eine spezielle Insel; hier verbannten römische Kaiser ihre ungeliebten Familienmitglieder, Augustus zum Beispiel: Der parkte hier seine Tochter Julia, die nach seinem Geschmack ein etwas zu ausschweifendes Liebesleben führte. Aus dieser Zeit stammt auch der kleine Hafen und davor ein ‚natürlicher’ Swimmingpool, der in das Lavagestein gehauen wurde. Direkt vorgelagert ist die kleine Gefängnis-Insel Santa Stefano. Mussolini internierte hier seine politischen Gegner. Das Gebäude wurde mit der Akustik eines Opernsaals geplant, dadurch konnten die Wärter in der Mitte des Hauses stehen und alles hören, was getuschelt wurde. Sandro Pertini, Italiens späterer Staatspräsident war hier inhaftiert und der Antifaschist Altiero Spinelli verfasste hier 1941 sein „Manifest Ventotene“, ein Plädoyer für ein freies und geeintes Europa. 1941! Ein echter Visionär und Idealist! Heute gilt das Manifest als eines der wichtigsten Gründungsdokumente der Union. Vielleicht war das der Grund, warum Frau Merkel, Hollande und Renzi im Sommer 2016 genau hier in dieser Bucht, auf einem Flugzeugträger, die Probleme der Welt diskutierten. Ich hoffe für sie, dass sie bei ihrem Landgang Zeit für eine gute Portion Pasta hatten.

Nach so viel Geschichte war es Zeit für ein erfrischendes Bad im kristallklaren Wasser vor der Insel. Unsere italienischen Mitstreiter natürlich mit Neoprenshorty, die tauen erst bei 30 Grad auf:-)

Hmmm, 10. Oktober, 24 Grad Wassertemperatur, not so bad. Die Barbinis sind aktive Leute und haben drei Kinder. Kein Wunder also, dass das Schiff alle Toys für die Großen und die Kleinen hat. Wir, die Großen, haben den Seabob entdeckt. Sieht aus wie eine kleine Rakete, an die man sich dran hängen und über und unter Wasser Strecke machen kann. So was wie ein E-Bike im Meer, sehr entspannend.

Weiter ging die Reise nach Ponza, wieder ein kleines Dorf auf einer kleinen Insel, unberührt und Italien pur. Na, nicht ganz, die Insel hat 13 Taxiunternehmer und die Nummer 13 ist das Joetaxi. Das muss man sich dann so vorstellen: Das Taxi kommt an, ein Uritaliener; Goldkettchen, offenes Hemd; der Mann steigt aus und begrüßt uns im tiefsten Slang der Bronx. joe_taxt_cundm„I’m Joe, I lived in New York and I’m back to my routes, my wife disliked US. Well, I will tell you the story, it began…“ und das geht dann nonstop so weiter bis zur Tür des Restaurants. Laut Joe leben mittlerweile 65.000 Italiener aus Ponza in USA. Auch irgendwie verständlich, die Insel hat ganze sieben Quadratkilometer und zurzeit ca. 3300 Einwohner, da wird der ein oder andere schon sein Glück überm Teich gesucht haben. Auch hier viel Verbannung in der Antike, unter anderem auch ein Papst.

Warum ich das alles hier so im Detail erzähle? Ja, Rom ist immer eine Reise wert, Florenz ist wunderbar, Siena faszinierend und Venedig ein Traum. Aber alle diese Ziele sind vom Tourismus überrannt. Leider! Und der gekrönte Hotel Concierge hat mittlerweile Empfehlungslisten für tolle Restaurants und Sehenswürdigkeiten, die er gerne online schon vor der Anreise zumailt.

Wenn man also die ‚must see’ Städte bereist hat und Lust auf ein authentisches Italien hat, ohne dabei aber auf den 5-Sterne-Komfort bei der Hardware verzichten zu wollen, dann ist die Blue Deer genau das Richtige. Und für die Kenner edler Yachten oder noch mehr für die Einsteiger: die Barbinis haben nicht einfach ein grandioses Schiff gebaut, die haben ultimativ geplant. Alles was wichtig ist gibt es zweimal, also zwei Generatoren, zwei Klimaanlagen und zwei zusätzliche Wasseraufbereiter neben den 20.000 Litern die eh an Bord sind (die kleinen Technikwunder produzieren jeweils 240 Liter Wasser pro Stunde in Trinkwasserqualität).

Die vier Gästekabinen sind kleine Raumwunder, selbst Stefanos Wunsch nach einer großen Dusche mit Rainbowdüse hat noch reingepasst. Ich habe wunderbar geschlafen in dem großen, gemütlichen Bett und mich gewundert, dass ich mehr Schrankraum hatte als in so manchem Sterne Hotel. Seefesten Gästen empfehle ich: prinzipiell nur duschen beim Segeln, das ist richtig cool, sozusagen ein richtiges Wellenbad. :-)

Ja, da hat ein Ehepaar seine Vision in Perfektion umgesetzt, sowohl bei der Hardware aber auch beim Erlebnis. Trüffelsuche à la Barbini, sprich: weg vom Üblichen. Mit der Blue Deer geht man auf Entdeckungstour abseits der ausgetretenen Pfade, egal wo sie die Segel setzen. Im Sommer auf den Pontinischen oder nördlich von Sizilien auf den Liparischen Inseln, im Winter dann in der Karibik, auch hier hat Stefano schon eine besondere Route ausgeklügelt. Ich habe übrigens auch noch einen Geheimtipp für Hardcore Segler mit Zeit: die Überführung des Schiffes vom Mittelmeer in die Karibik kann im Herbst 2017 vielleicht sogar auch gebucht werden.

p1010438Zurück in Frankfurt wackelt der Boden noch ein bisschen. Im Kühlschrank die eingelegten Kapern aus Ventotene, auf der Kamera 215 Bilder von pittoresken Örtchen, Buchten mit glasklarem Wasser, Pasta in allen Variationen und einem stolzen Schiff. Ein großes Dankeschön an die Barbinis und die charmante Crew, das Wochenende war: „Mamma Mia!“

Das Gute am Jetlag Richtung Latein Amerika ist, man erlebt den Sonnenaufgang hellwach. Bewaffnet mit einer richtig guten Tasse Kaffee schaue ich vom Bett auf die dazu passende Plantage. Während in Deutschland der Sonntagnachmittag eingeläutet wird ist in Costa Rica Ortszeit 05.30 Uhr. Jeder Morgen ist hier grünes Kino.  Weiterlesen…

Ich nannte es immer “the grumpy horse”, denn unsere Freundschaft wurde gleich am Anfang direkt abgewürgt. Wenn man es gewohnt ist einen Romika Schuh zu fahren – also alles läuft automatisch inklusive des Lichts – dann ist ein Landrover Defender erst einmal eine Herausforderung. (mehr …)

Seit 4 Tagen übe ich die Aussprache des wohl wichtigsten Wortes auf georgisch “Prost” und jeden Tag kommt etwas anderes dabei raus.

Die Georgier sind gut drauf:
Essen, trinken und prosten ist der wichtigste Bestandteil des Tages

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