„Es gab in meinem Leben keinen Masterplan…“

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Tischgespräch mit…

Liz Biden

Trotzdem ist es kein Zufall, dass die Südafrikanerin zu den erfolgreichsten privaten Hoteliers der Welt gehört. Reisedesignerin Stephanie Elingshausen hat die Ikone des guten Geschmacks in London getroffen. Ein Gespräch über Stil, große Badezimmer, Gastfreundschaft und den Streit um eine Schale Pommes frites.

Es ist ein typischer grauer Montagmorgen in London, ich sitze in dem riesigen schwarzen Taxi, der Fahrer ist britisch korrekt bis in die Haarwurzeln und die Straßen sind verstopft, London eben. Ich bin auf dem Weg zu einer der berühmtesten und wichtigsten Frauen der Hotelbranche. Endlich halten wir vor dem Ivy Chelsea Garden Restaurant, ein In-Lokal für hippe Londoner, und schon um 11.30 Uhr fast voll bis auf den letzten Platz. Mittendrin sitzt Liz Biden. Ich kann an ihrem Gesichtsausdruck erkennen, dass sie schon alles abgescannt hat, die Deko, die Kellner, die Anordnung der Tische, ihrem geschulten Auge entgeht nichts. Schon ein bisschen absurd, dass man ausgerechnet diese Frau, die Geschmack und Gastlichkeit quasi in ihrer DNA hat, an einen kleinen Katzentisch in der Ecke platziert hat.

In Südafrika ist Liz Biden der angesehenste private Hotelier des Landes, sie ist dort das Vorbild für alle 5-Sterne-Hotels. Ihr Geschmack, ihre Vorstellung von Service, ihre sehr ungewöhnlichen Innovationen sind die Benchmark für alle. Ich kenne sie seit Jahren, bin ein bekennender Jünger ihrer kleinen, feinen Kollektion. Wenn sie etwas anfasst, steht da Erfolg darauf – und Überraschung. Über ihre Hotels und das kreative Design wird  viel geschrieben. Für die neue CREDUM-Ausgabe, die «Persönlichkeit» als Thema gewählt hat, möchte ich mehr erfahren. Wer die Frau ist, die hinter der Erfolgsgeschichte, der Privathotels vom «The Royal Portfolio» steht.

Liz Biden wirkt überhaupt nicht prätentiös. Sie erscheint eher kühl und etwas unruhig, weil sie während des Interviews nicht nur ihr Gegenüber, sondern immer auch das gesamte Umfeld im Blick hat. Doch im Gespräch taut sie auf. Ihre Augen leuchten, wenn es um die Familie geht, ihre Liebe zum Detail bekommt ein Gesicht und wenn sie von ihren langjährigen Mitarbeitern spricht, dann will man sie umarmen. Mehrere Angestellte haben mir davon erzählt, wie Liz und ihre Familie sich um jeden Einzelnen kümmern und unbürokratisch helfen, wenn mal Not ist – echte Vorbilder für die Branche und darüber hinaus.

STEPHANIE ELINGSHAUSEN: Liz, das erste Mal haben wir uns in «La Residence» gesehen. Sie waren kurz vor der großen Eröffnung und standen da, in der großen Eingangshalle, mit 200 Kisten, und haben alle selber ausgepackt. Jedes einzelne Stück hatten Sie persönlich in der Hand. Mein Eindruck war: Diese Frau ist ein Energiebündel der besonderen Art. Und nachdem ich das «Silo», Ihr neues Projekt in Kapstadt, gesehen habe …  Unglaublich, was Sie da schon wieder geschaffen haben! Ich bin mir sicher, dass Sie dafür bald die Auszeichnung für das beste Stadthotel der Welt  bekommen werden. Verraten Sie uns: Wer ist die Frau hinter diesem Erfolg? Wo kommen Sie her?

LIZ BIDEN: Meine Familie stammt in zweiter Generation aus Südafrika. Mutters Seite ist aus England, Vaters aus Deutschland. Ich bin das jüngste von vier Geschwistern und bin in Kapstadt aufgewachsen.

STEPHANIE: Heute wohnen in Ihren Häusern die «Rich and Famous» aus der ganzen Welt. Sie kennen Sie alle persönlich. Sind Sie schon als Kind in einem solchen Umfeld groß geworden?

LIZ: Nein, wir waren eine typische Mittelklasse- Familie. Sehr bodenständig. Meine Mutter war Hausfrau, so wie das damals üblich war. Mein Vater war von Beruf Ingenieur und von seinem Wesen her sehr deutsch. Er war streng und kalvinistisch. Besonders großen Wert hat er auf gute Bildung gelegt. Er sagte uns Kindern immer, Bildung sei das Wichtigste, weil einem die niemand nehmen könne. Also sind wir alle auf gute Schulen und Universitäten gegangen. Glamour und Luxus gab es bei uns zuhause nicht.

STEPHANIE: Wann haben Sie Ihren Mann Phil kennen gelernt? Meines Wissens feiern Sie beide bald goldene Hochzeit.

LIZ: Mit 17. Er ging auf die Jungenschule, ich auf die Mädchenschule nebenan. Seither machen wir alles gemeinsam. Wir waren zusammen in Kapstadt an der Uni. Ich wurde Lehrerin, er hat einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften gemacht. Mit 23 haben wir geheiratet und sind dann für eineinhalb Jahre nach England gezogen. Danach sind wir zurück ans Kap. Heute haben wir auch in London ein zweites Zuhause. Unsere älteste Tochter lebt hier.

STEPHANIE: Sie sind in den düsteren Zeiten der Apartheit in Südafrika großgeworden. Welche Erinnerung haben Sie daran?

LIZ: Ich bin 1949 geboren. Wir fanden die Rassentrennung nie richtig, aber wir sind damals in diesem Umfeld aufgewachsen; als Kind nimmt man das hin. Als das Regime im Februar 1991 endlich offiziell abgelöst wurde, haben wir das als große Befreiung empfunden. Aber dann gingen die Dinge auch teilweise in die andere Richtung. Es war und ist bis heute für das Land eine schwierige Metamorphose, sich zu finden, Unrecht wiedergutzumachen, aber allen Menschen gerecht  zu werden. Mich und meine Familie haben auch schwierige Zeiten nie davon abgehalten, unseren Weg zu gehen.

STEPHANIE: Ihre kleine, feine Hotelkette, «The Royal Portfolio», mit einer Lodge am Krügerpark, einem Strandhotel in Hermanus, «La Residence» in Franschhoek und seit Neuestem mit «The Silo», zählt zu den exklusivsten Adressen der Welt. Man munkelt sogar, dass Elton John eine eigene Suite in Ihrer «La Residence» in Franschhoek hat und sich hier regelmäßig vom Jetset entspannt. Sie sind wahnsinnig erfolgreich. Dabei kommen Sie doch überhaupt nicht aus der Hotelbranche.

LIZ: Das stimmt. Ich hatte keine Erfahrungen im Hospitality-Bereich und keine Ahnung von Interieur-Design. Aber das war eigentlich nie ein Nachteil. Wenn ich Design studiert hätte, würde ich alle Regeln und Gesetzmäßigkeiten kennen und sie vielleicht auch anwenden. Das tue ich nicht und ich habe auch nie darüber nachgedacht, was man nach den Regeln der Hotelfachschule tun muss, um einen Gast glücklich zu machen. Stattdessen handle ich intuitiv. Ich frage mich, was mir gefällt, wenn ich auf Reisen bin, und konzipiere meine Hotels so, als würde ich privat einen Freund empfangen und bewirten. Eigentlich ein ganz einfaches Konzept.

STEPHANIE: Zu der gelebten Gastfreundschaft kommt auch Ihr ganz besonderer Einrichtungsstil. Sie kombinieren Leopardenmuster mit Louis XIV und Chippendale. Eigentlich geht das gar nicht – aber bei Ihnen wirkt es cool und stimmig. Wie machen Sie das?

LIZ: Mein Freund und Berater Ralph Krall sagt immer: «Wenn du etwas Gutes kaufst, dann passt es zu allem, was auch gut ist. Du musst dir keine Sorgen machen, ob es passen könnte. Es ist egal, welche Periode und welcher Style etwas ist.» Dazu kommt, dass ich eine ewige Schatzsucherin und immer unterwegs bin. Auf den Philippinen habe ich einen Muschelschrank entdeckt, der wie dafür gemacht war, in einer Suite in Franschhoek neben einem historischen Stillleben platziert zu werden. Dazu kommt, dass ich hartnäckig bin. Ich kann stundenlang in einem stickigen Souk verbringen und so lange Tee trinken, bis der Teppichhändler endlich bereit ist, seine wirklichen Schätze vor mir auszurollen.

STEPHANIE: In «The Silo» in Kapstadt kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus. Ganz besonders was die Kunst angeht. Mit dem City-Hotel logieren Sie ja über dem MOCAA, dem Museum für moderne afrikanische Kunst. Eine inspirierende Nachbarschaft. Alleine die Bilder in Ihrer Eingangshalle haben mich so gefesselt, dass der Check-in warten musste.

LIZ: Das Museum war natürlich für mich Ansporn. Aber ich sammle schon seit Jahren Arbeiten von außergewöhnlichen südafrikanischen Künstlern. Ditaola von Mohau Modisakeng in der Lobby gehört zu den Highlights.

STEPHANIE: Woher kommt Ihre unglaubliche Kreativität?

LIZ: Als ich Kind war, habe ich meine Mutter verrückt gemacht, weil ich immer alles umgeräumt, die Kissen neu bezogen und neue Dinge aus alten Gardinen gemacht habe. Ich habe ständig dekoriert und gestaltet, habe mit meiner kleinen Singer Nähmaschine meine eigenen Klamotten kreiert. Als ich dann heiratete, habe ich alle Gardinen im Haus genäht. Ich liebe es, etwas mit meinen Händen zu machen.

STEPHANIE: Trotzdem, erst einmal haben Sie fünf Jahre lang als Lehrerin gearbeitet. Ein ungewöhnlicher Start in eine Karriere als Kreative.

LIZ: Es gab in meinem Leben nie einen Masterplan. Mein Werdegang ist das Resultat vieler Zufälle und großer Leidenschaft. Als ich 27 war und die Kinder kamen, habe ich das Lehrersein aufgegeben. Ich wollte Zeit mit meinen Kleinen verbringen, aber trotzdem arbeiten. Also habe ich zu Hause einen Kindergarten eröffnet.

STEPHANIE: Als Ihre Kinder in die Schule kamen, sind Sie ins Modegeschäft eingestiegen.

LIZ: Da haben wir eine Firma gekauft, die Designerin hieß Jenni Button. Sie war unglaublich kreativ, aber Papierkram und Marketing waren nicht ihr Ding. Phil hat sich um die Zahlen gekümmert und ich um den Rest. Wir haben sechs Läden eröffnet, in Johannesburg und Kapstadt. Für mich war das optimal, morgens habe ich die Kinder in die Schule gebracht, danach war ich Businesswoman. Das Label ging durch die Decke, der Erfolg war enorm und nach 13 Jahren kam ein so gutes Angebot, dass wir verkauft haben.

STEPHANIE: Das war 1998.

LIZ: Danach wusste ich erst einmal nicht genau, was ich machen sollte. Wir hatten ein privates Feriendomizil in Thornybush, am Kruger National Park und nach ein paar Monaten Nichtstun entstand die Idee, hieraus eine Lodge für zahlende Gäste zu machen. Im Januar 2000 eröffnete unser erstes «Hotel», die Royal Malewane Lodge.

STEPHANIE: Sie sagen, Sie hätten gar keine Erfahrung in der Gastronomie. Aber ich habe gelesen, dass Sie die erste weibliche Bedienung im Golden Spur Restaurant waren. Wie kam es denn dazu?

LIZ: Als Studenten waren Phil und ich immer auf der Suche nach Extra-Cash. Eine Zeit lang haben wir eine mobile Diskothek betrieben und sind mit einem Musik-Truck von Ort zu Ort gezogen. Später habe ich Schmuck entworfen und auch Lampenschirme hergestellt, die Phil verkauft hat. Einer unserer Gelegenheitsjobs war der im Restaurant. Die Erfahrungen dort waren für mich sehr wichtig. Zum einen war ich die erste Frau im Service – ein Novum zu der Zeit – und zum anderen habe ich als Kellnerin gelernt, hinzusehen und zu erkennen, was Menschen wollen: Als ich einmal einem kleinen Kind eine Schale Pommes frites gebracht habe, obwohl die so nicht auf der Karte standen, wollte mich der Chef rausschmeißen. Als Phil damit drohte, auch zu kündigen, ist der Eigentümer zurückgerudert. Wir haben beide damals viel gelernt, vielleicht auch, was es heißt, Chef zu sein.

STEPHANIE: Gab es ein Hotel, das Sie so sehr beeindruckt hat und Pate für Ihre Hotels stand?

LIZ: Die Villa Fetrinelli vor zirka 20 Jahren. Die war quasi perfekt. Alles was man brauchte, war dort immer am richtigen Ort. Da lagen ein Stift und nebenan ein Papier und ein paar Süßigkeiten. Wenn man sich einen Tee machte, stand das Gebäck schon bereit, und wenn man zum Pool ging, kam der Eiswagen vorbei. Wir haben es geliebt.

STEPHANIE: Ihr Mann ist in Ihrem Business für die Zahlen verantwortlich.

LIZ: Ja! Er behält den Überblick, wenn ich das Geld mit vollen Händen ausgebe. Trotzdem ist   er nie ein Bremser. Er hat auch ein gutes Auge für Design und ist für mich ein wichtiger Ratgeber. Ich denke, er ist ein verhinderter Architekt. Er weiß, wie ausladend der Pool sein sollte, und streitet gerne mit mir über die Größe der Badezimmer.

STEPHANIE: Die Bäder sind legendär. Ich nenne sie immer «Carwash». Die Duschen sind so ausladend, dass man einen Kleinwagen darin bequem reinigen könnte.

LIZ: Für mich ist ein Badezimmer wichtiger als das Schlafzimmer. Im Schlafzimmer, da schläft man nur, im Bad zieht man sich an, macht sich die Haare, duscht, verbringt viel Zeit. Ich will dort immer viel Platz haben. Ich kann es nicht leiden, wenn man morgens in eine klaustrophobisch klei- ne Box geht, die man Dusche nennt, und die Tür zumacht.

STEPHANIE: Jeder liebt Ihre Badezimmer …

LIZ: … Und darum geht es.  Ich will meine Gäste glücklich machen. Und wenn es um ihr Wohl geht, denke ich einfach nie ans Geld.

STEPHANIE: Ihr Sohn ist als zweiter Zahlenmann vor sechs Jahren ins Geschäft eingestiegen. Ist er immer auf Ihrer Seite?

LIZ: Zunächst einmal kümmert er sich um Verträge und Rechnungen. Bei fast 500 Angestellten ist das viel Arbeit. Aber Matthew kennt sich nicht nur mit Zahlen aus. Er hat Passion für das, was er da macht. Ich denke, dass Passion eine der wichtigsten Dinge im Leben ist. Leute fragen mich, warum ich arbeite, ich könnte ja auch einfach mein ganzes Leben lang reisen, aber daran habe ich kein Interesse. Ich liebe es einfach! Ich bin so oft es geht in unseren Häusern, um zu sehen, wie die Dinge laufen, und um die Gäste zu beobachten, die bei uns eine gute Zeit haben.

STEPHANIE: Sie haben zwei Töchter, welchen Part übernehmen sie?

LIZ: Unsere Älteste hat mit dem Geschäft nichts zu tun und lebt in London. Meine mittlere Tochter wohnt in Südafrika und kommt sehr nach mir. Sie ist kreativ, hat aber dabei einen ganz anderen Stil als ich. Ich liebe Farbe, Farbe, Farbe. Wenn man zu ihr nach Hause kommt, dann ist alles weiß und creme. Aber ich habe nie versucht, sie zu beeinflussen. Damit hat sie Erfolg. Sie hat bereits fünf Häuser eingerichtet und verkauft und so ihr Business gemacht. Morgens arbeitet sie jetzt im Silo Hotel und kümmert sich unter anderem um alle Uniformen. Ich bin mir sicher, dass sie irgendwann so weit ist, meine Rolle zu übernehmen.

STEPHANIE: Ihre Familie spielt in Ihren Leben die zentrale Rolle.

LIZ: Familie gibt dem Geschäft Kontinuität. Warum sollte man etwas aufbauen, wenn man es nicht später weitergibt? Ich habe sieben Enkelkinder. Das jüngste ist sechs Monate alt. Isabelle, die Älteste, ist 14. Sie hat ein gutes Gespür für Service und Perfektion. Ich erinnere mich an eine schöne Geschichte, als ich sie einmal mit in den Busch nahm. Damals war sie drei Jahre alt. Sie betrat ein Zimmer, sah sich kurz um und sagte:  «Oma, wo ist denn hier der Blumenstrauß?»

STEPHANIE: Keine Frage, Ihre Hardware im Hotel ist unglaublich. Aber wirklich entscheidend für ein gutes Hotel ist die Software – also das Personal. In «Royal Malewane» fühlt man sich besonders wohl, weil sowohl der Chef-Ranger als auch der General Manager schon seit fast 20 Jahren dabei sind. Und erstaunlicherweise brennen die beiden heute noch wie an Tag eins für ihre Gäste und ganz besonders für Sie. Jeder im Team, den ich kenne, verehrt Sie, sie sprechen mit so einer Hochachtung und Zuneigung von Ihnen, das gibt es in kaum einem anderen Hotel. Wie kommt es, dass die Leute so loyal sind und konstant bei Ihnen bleiben?

LIZ: Die Angestellten sind Teil unserer Familie. Ich rede jeden Tag mit ihnen und wir legen Wert darauf, dass wir alles, was wir versprechen, auch halten. Selbst wenn einer unserer Mitarbeiter sich verändern möchte und in den USA oder in Europa arbeiten will, dann helfen wir ihm, dass er da etwas Gutes findet. Ich würde ja auch meinen Kindern keine Steine in den Weg legen, wenn sie sich ausprobieren wollten. Und viele von denen, die einmal weg waren, kommen später wieder.

STEPHANIE: Welche Gegenleistung verlangen Sie?

LIZ: Dass unsere Mitarbeiter unsere Werte teilen, Eigeninitiative und Verantwortung übernehmen, wenn es darum geht, dem Gast den perfekten Aufenthalt zu ermöglichen. Wir haben unsere Leitlinien auf einem kleinen Merkblatt aufgeschrieben und jeder Mitarbeiter trägt sie in der Innentasche bei sich. Sogar der Gärtner und die Elektriker können unsere Philosophie im Schlaf aufsagen.

STEPHANIE: Bei Ihnen übernachten viele Super-Promis. Solche Stars sind oft nicht ganz einfach.

LIZ: Wir mögen schwierige Klienten. Denn wenn man sich auf sie einlässt und versucht sie zu verstehen, dann macht man sie am Ende glücklich.

STEPHANIE: Gibt es eine Geschichte aus dem Nähkästchen?

LIZ: Ich erinnere mich an einen Herrn aus London. Vor vielen Jahren kam er zum Honeymoon mit seiner frisch angetrauten Frau zu uns. Er buchte die Royal Suite in der Royal Malewane. Sie warf ihre Seidenwäsche, die sie bei der Hochzeit getragen hatte, einfach in den Behälter für die Bush-Outdoor-Wäsche. Am nächsten Morgen riefen mich meine Leute an und erklärten, dass die Sachen jetzt nur noch ein Viertel so groß seien.

STEPHANIE: Was haben Sie getan?

LIZ: Ich bin sofort ins Flugzeug gestiegen und hingeflogen. Ich habe an seiner Tür geklopft und gesagt, dass es mir schrecklich leid tut und dass wir die schönen Sachen ruiniert haben. Als Wiedergutmachung habe ich angeboten, drei Nächte umsonst bei uns Gast zu sein.

STEPHANIE: Und was war seine Antwort?

LIZ: Gar nichts. Ohne noch einmal darauf einzugehen, ist er nach seinen Tagen bei uns weitergereist. Er flog nach Irland. Kurz darauf meldete sich sein Reisebüro bei uns und fragte, ob der Gast zurückkommen könnte – ihm würde es in Irland nicht gefallen.

STEPHANIE: Und seither kommt er immer wieder.

LIZ: Richtig! Natürlich hätte ich sagen können, dass es eigentlich sein Fehler war, die Wäsche in den falschen Sack zu stecken, auf dem stand nämlich ganz klar drauf: «Nur für Bush-Kleidung.» Aber seither weiß ich: Wenn du ein Problem hast, dann musst du dich ihm stellen und dich nicht rausreden oder wegducken.

STEPHANIE: Sie sind immer auf Sendung. Ihnen entgeht nichts – wie schalten Sie ab?

LIZ: Beim Bridge im Club. Und einmal im Jahr, im Juni, fahren Phil und ich mit Freunden auf einer Yacht durchs Mittelmeer.

STEPHANIE: Man packt nur einmal aus und fährt dahin, wo man hinmöchte, das Ganze barfuß, sehr privat und immer begleitet von einer frischen Brise.

LIZ: Genau so ist es! Ich liebe das! Echte Höhepunkte sind für mich auch die kleinen Auszeiten mit meinen Enkeln. Wenn sie zehn Jahre alt werden, dann fahren wir gemeinsam in den Urlaub. Nur sie und ich. Dabei dürfen die Kinder entscheiden, wo sie hinwollen. Egal wo auf der Welt das ist. Isabelles Wunsch war Paris. Das war easy. Mein zweiter Enkel hat es mir nicht so einfach gemacht. Der wollte am Nordpol in einem Iglu schlafen. Es war ja so kalt! Aber auch total verrückt. An einem Nachmittag sind wir mit dem Snowmobil gefahren. Ich habe gelenkt und den Kleinen mit meinem Schal fest an mich gebunden, weil ich Angst hatte, dass er einschläft und runterfällt. Ich fand das alles gar nicht so lustig, habe mir aber nichts anmerken lassen, sondern immer tapfer gelächelt.

STEPHANIE: Toll, und Sie haben Ihr Versprechen gehalten!

LIZ: Ja, und als wir zurück ins Hotel kamen, haben wir uns ins Bett gekuschelt und er sagte: «Du bist eine Super-Oma.» Nach dem Satz war es auch für mich der perfekte Urlaub!

Liz Biden lächelt. Entspannt lehnt sie sich im Sessel zurück und trinkt ihren Tee. Wenn sie über ihre Enkel spricht, dann sitzt vor mir eine andere Frau. Die Unruhe ist gewichen. Nichts mehr da von der Geschäftsfrau, von High-End-Hotels und Marketing. Sie hat ein breites Lächeln im Gesicht und freut sich bereits auf die nächste Auszeit, ob rustikal im Zelt oder im 5-Sterne-Hotel, das konnte sie noch nicht erfahren. So, wie man sie kennt, macht sie alles mit.

Dieses Interview erschien zuerst in Credum – Kundenmagazin der Frankfurter Bankgesellschaft Gruppe Ausgabe 7.

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