3100 Kilo, 6 Gänge, 122 PS und ein gutes Gefühl: Freiheit

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Ich nannte es immer „the grumpy horse“, denn unsere Freundschaft wurde gleich am Anfang direkt abgewürgt. Wenn man es gewohnt ist einen Romika Schuh zu fahren – also alles läuft automatisch inklusive des Lichts – dann ist ein Landrover Defender erst einmal eine Herausforderung.

Es fängt damit an, dass drei Pedale bedient werden möchten

und zwar von zwei Füßen und dass der erste Gang eigentlich gar nicht stattfindet. Hmmm, nach einigem Ruckelzuckel wurde es dann sportlich, über Stock und Stein, 90 Grad rauf und runter, geduscht durch die Bergflüsse (Fenster war auf), rein ins Schlagloch, „Entschuldigung“ an die französische Kollegin auf der Hinterbank, raus aus dem Schlagloch, „Entschuldigung“ ans Getriebe, doch ein Gang zu hoch. Nach 20 Kilometern waren wir dann aber ein Team. Was eine Freude, dieses Auto ist kein „grumpy horse“, es ist ein working horse. Ich hatte keine Vorstellung darüber, was dieses robuste Wunder der Technik leisten kann. „So langsam wie möglich, so schnell wie nötig“, das ist die Devise. Und wenn dann low and high gear dazukommen, dann ist man wirklich OFF Road. Genau das ist in Georgien der beste Plan, denn die ganz besonderen Schätze liegen so in der Pampa, dass man dort als normaler Tourist im Minibus gar nicht hinkommt.

Die 1250 Kilometer haben mich durch wunderbare Landschaften und kleine, verwunschene Ortschaften geführt, die man ohne Geländewagen wahrscheinlich gar nicht erreichen kann. Unterwegs entdeckten wir Kirchen und Höhlen, die so einsam waren, dass die dort lebenden Menschen echt erstaunt waren, als wir auftauchten. Immer wieder machten wir die gleiche Erfahrung: unglaublich herzliche Gastfreundschaft, die fast beschämt. Je weniger diese Leute hatten, umso mehr haben sie mit uns geteilt.

Gastfreundschaft auf georgisch

Da war dieser Priester in seinem ziemlich verfallenen Haus mit der Bienenzucht im Garten; der hatte seinen Kühlschrank für uns geleert, das wenige was dort drinnen war, stand nach 5 Minuten auf dem Tisch: Käse, Honig, selbst gemachter Cacha, so eine Art Grappa, aber mit doppelter Umdrehung. Ein „Nein“ wurde nicht akzeptiert.

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Wir waren eine wilde Truppe aus aller Herren Länder, das Landrover Team russisch- amerikanisch, unser Instruktor gebaut wie ein stabiler Kleiderschrank mit einem Herz aus Gold – so einer, den man sich wünscht, wenn es eng wird. Mit dem würde ich mich auch trauen bei 45 Grad minus ein Off Road Adventure auf dem Baikal See zu unternehmen. Interessiert?

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Von Xi’an bis Georgien auf dem Drahtesel

Wir hatten ihn überholt, einen Chinese auf einem Fahrrad mit vielen Taschen und Schlapphut, der wild die Steigungen und Schlaglöcher überwand. Er strampelte so angestrengt, dass ich kurz darüber nachdachte, ob er nicht an unserem Auto andocken könne und wir ihm so einen Lift gäben – aber mit den vielen Schlaglöchern war das natürlich kein guter Plan.

Beim Picknick danach in der grünen Wiese passierte folgendes: Ein Motorrad brummte den Berg hoch, selbstverständlich winkten wir den Fahrer herbei. Er kam auch sofort: Es war ein Pole auf einem 6 Wochen Trip durch Osteuropa, im Schlepptau hatte er vier Kollegen… Als die dann alle da waren, sahen wir den Chinesen auf seinem Fahrrad den Berg hinunter fahren. Der stoppte auch sofort und stürzte sich auf das Picknick. Ein irrer Typ, Juju, kommt aus Xiang, dort ist er losgefahren und will bis nach Rom, nun ist er seit 6 Monaten auf dem Drahtesel unterwegs. Ich fragte ihn, wie er denn übernachte. „Hmmm, hier in Georgien klopfe ich auch schon einmal abends einfach an eine Haustür und lerne ganz wunderbare Menschen kennen.“ Wir haben dann seine Taschen aufgefüllt mit Hühnerschenkeln, Frikadellen und Käse… Ehrlich, es war ein sehr besonderes Picknick, gerne würde ich solche Momente in eine Flasche füllen und ab und zu einen Schluck davon nehmen, sobald mir das normale Leben zu profan erscheint.

360 Graddrehung im zweiten Gang

Zurück zum „grumpy horse“: we have to turn! Mitten im Offroad bedeutet das die 3100 Kilogramm des Defenders quasi auf einem Salatblatt zu wenden, denn links befindet sich ein Abgrund, rechts die Felswand. Da half nur ‚Jonny cool‘ und durch, das Deo hatte zwar versagt, aber keiner hatte es gemerkt und das Auto stand blitzgerade in Gegenrichtung.

What to say, es war ein Test einer neuen Reise Idee, das Ergebnis ist toll. Georgien ist eine kleine Schatzkiste, geschichtlich hochinteressant, die Menschen liebenswert und gastfreundlich wie wir es wirklich nicht kennen,  darüber hinaus sind sie authentisch und dann kommt noch das Abenteuer Off Road dazu. I love it!

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