Gagimardschoss aus Georgien

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Seit 4 Tagen übe ich die Aussprache des wohl wichtigsten Wortes auf georgisch „Prost“ und jeden Tag kommt etwas anderes dabei raus.

Die Georgier sind gut drauf:
Essen, trinken und prosten ist der wichtigste Bestandteil des Tages

Einen Toast auf das Leben! Die Frauen! Die Gesundheit! Den schönen Tag! Am ersten Abend habe ich nach dem zwanzigsten Toast aufgehört zu zählen, da hatten wir aber auch schon auf meine Mutter, meinen zukünftigen Hund und auf meine rosafarbenen Schuhe angestoßen. Ich hatte ja gar keine Ahnung, wo ich hier landen werde. Georgien liegt quasi in der hintersten Ecke Europas Richtung Asien und wird deshalb auch der Balkon Europas genannt. Nach dem letzten Fünf-Tage Krieg mit den Russen mögen sie es wahrscheinlich auch so am liebsten sehen, obwohl – irgendwie mögen sie die Russen dann doch und diese bekommen auch ein Visum nach Georgien, andersherum ist die Grenze jedoch zu.

Das kleine Land ist ungefähr so groß wie Bayern und hat 4,5 Millionen Einwohner, ein Viertel davon lebt in Tiflis – oder besser Tbilisi – und die uralte Stadt ist ziemlich jung geblieben. Sie ist lebendig, laut, quirlig und liberal, hier steht die Synagoge entspannt neben der orthodoxen und der armenischen Kirche und man arrangiert sich. Die Altstadt erinnert an eine süditalienische Kulisse mit abgeblätterten Häusern aus dem 18. Jahrhundert, fast alle mit schmiedeeisernen Balkonen verziert, die sich bedenklich nach unten neigen. Es gibt ganze Straßenzüge mit romantischen Restaurants, schrägen Klamottenläden und Kneipen, in denen oft Livemusik und sogar Lesungen stattfinden. Russischer Plattenbau neben historischen Fassaden und hochmodernen Glasbauten, toller Mix.

Unser Hotel ,’The Rooms‘, speziell aber ‚in‘, ist ein eckiger Flachbau mit trendiger Innenausstattung. Die Bäder sind ausgestattet mit Holzplanken am Boden und offener Dusche, danach steht leider das ganze Bad unter Wasser, aber sieht halt cool aus. :-) Das Bett ist ein Traum, die secret affair im Nachbarzimmer leider wiederum ein Alptraum, denn die Zimmer sind hellhörig, weshalb an Schlaf in der ersten Nacht nicht zu denken war. Die Rezeption war sehr nett, man teilte mir mit, der Herr des Nachbarzimmers wäre am Morgen abgereist, nur die Dame bliebe erhalten, es sollte also eine angenehme Nachtruhe werden. :-)

Gegessen wird georgisch und das heißt in erster Linie: reichlich!

In Georgien bestellt man kein Tellergericht, sondern teilt sich diverse Gerichte und erst wenn der Tisch unter der Last verschiedenster Platten fast zusammen bricht, dann ist das Abendessen perfekt. Es beginnt mit Salaten und hausgemachtem Brot, darin ist Käse oder Grünes eingebacken, dann kommen Eintöpfe aus Gemüse, Innereien, Lamm und Huhn, danach gegrillter Fisch und Barbecue und was auch nie fehlt sind Chinkali. Das sind Teigtaschen mit Hackfleisch und Brühe, die Brühe trinkt man aus, bevor man den Rest kaut, was ein bisschen Übung braucht. Und ja, ob sie wollen oder nicht, mindestens einmal gibt es das Dinner dann auch mit Folkloreschau, das mögen die Georgier und diese Schau wird stets ziemlich laut, aber die Herren singen gut. Meine amerikanische Kollegin sagte mir, sie habe seit sie in Osteuropa lebe einen anderen Gehörpegel – anscheinend gewöhnt man sich daran. Uns blieb allerdings nur die Flucht auf die Terrasse.

Interessant sind auch die Männer und Frauen

Die Jungs sind speziell, auf der einen Seite sehr zuvorkommend, tragen die Frauen auf Händen, machen Komplimente und Geschenke und auf der anderen Seite sind sie Machos par excellence… Da wird man auch mal rustikal und lautstark begafft oder schlichtweg ignoriert und zur Seite geschoben, ob an der Kasse oder an der Tür. Und die Mädels, die verbringen Kunststücke auf 16 Zentimetern, da würden wir uns vermutlich die Haxen brechen, das Ganze wird kombiniert mit recht grellen Outfits.

SAM_3003Ja, Tiflis war ein Erlebnis, aber morgen beginnt dann das eigentliche Abenteuer: Mit dem Defender quer durchs Land. Ich kann ja  inklusive Traktor alles fahren was einen Motor hat, aber richtiges Offroad im Gebirge ist neu für mich, ein bisschen aufgeregt bin ich schon. Darauf einen Toast:

Gagimardschoss!

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