Andere Länder, andere Sitten…

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Ab dem 27. Dezember 2014

Langsam bekomme ich einen Überblick zum Tempelgeschehen. Jeder Gott hat ja sein Reittier, also Ganesha hat die kleine Maus, Vishnu den Garuda und Lord Shiva den pompösen Stier. Die Reittiere parken immer im Eingang, so ist eine schnelle Orientierung möglich. 

Surreale Tempelbesuche – gefilmt mit der inneren Kamera

Der Ablauf des Tempelbesuches ist folgendermaßen: Erst die Schuhe im Schuhstall abgeben, dann anstellen – und das meist an einer langen Schlange, was ziemlich kuschlig ist, weshalb man keine Berührungsängste haben sollte. Manchmal geht es mit ein paar geschickt platzierten Rupien auch schneller. Durch große Tore und Säulenhallen drängen die Menschenmassen zum heiligen Inneren, der Zutritt hierzu ist allerdings nur Hindus gestattet, für den Tourist endet die Tour davor. Aber das macht nichts, denn im ganzen Tempel ist es unglaublich aufregend. Überall sind kleinere Nischen mit ‚Altaren‘, blumengeschmückten Statuen der Götter, davor Ölkerzen und tief in sich gekehrte, betende Menschen. Die innere Kamera nimmt alles auf, der eigentliche Knipser aber wird kaum eingesetzt, denn irgendwie fällt es mir schwer so private, tief religiöse Momente banal zu fotografieren. Immer habe ich das Gefühl, das gehört sich nicht. Stundenlang könnte ich mich hier in diesen ominösen schwarzen Hallen aufhalten und schauen, schauen, schauen. Zusammen mit dem Gemurmel der Betenden und den schweren Gerüchen der Öllichter und Speisen, die als Opfergaben überall bei den Göttern verteilt werden, ist die Luft dick, die Atmosphäre aufgeladen, fremd und surreal.

Einer der wichtigsten Tempel – der Chidambaram Tempel – auf dem Weg von Pondicherry nach Tanjore, hat mich am meisten beeindruckt. Er ist eine Besonderheit, da er nicht unter der Verwaltung der Regierung, sondern von den Priestern direkt geführt wird. Und das sind sehr, sehr spezielle Burschen – fast ein wenig Angst einflößend. Ihre Zeremonien sind wesentlich eindrucksvoller und ich hatte Glück, denn es fand gerade eine ganz besondere Puja statt: laute Gebete und Beschwörungen, die Priester versammelt vor einem Schrein, drumherum gefühlt 1000 Gläubige in Ekstase, dicht gedrängt um die Zeremonie, die Stimmung dampft, mein Deo versagt.

Den technischen Zwischenstopp in Tanjore verbuche ich unter dem Kapitel: Hotel spezial, auf das ich in einem späteren Blogbeitrag nochmals näher eingehen werde. Soviel vorab, es war das erste ‚Hotel‘ seit langen Jahren, in dem ich eine Sesselkante unter das Türschloss geklemmt habe.

Von Hotelwüsten und Badewannen-Monstern

Am nächsten Tag ging es dann weiter Richtung Madurai mit einem bemerkenswerten Stopp in Trichy: dem Krematorium. Hier warten die Priester auf die Verbliebenen um zusammen zu beten – verbrannt wird auf der gegenüberliegenden Flussseite. Verliert beispielsweise ein Sohn seinen Vater, dann muss er hier 13 Tage lang mit den Priestern beten und sprechen, damit dann an einem bestimmten Tag der Vater oben auch Anschluss findet. Verbrannt wird übrigens innerhalb von 6 Stunden, so will es der Brauch.

Meine nächste Übernachtung war in Madurai, auch hier erlebte ich eine dramatische Hotelwüste. Anschließend folgten lange Strecken um nach Kabini zu kommen mit einem Zwischenstopp in der Pampa, und endlich: Ich habe das Golden Marigold Hotel gefunden…es war unglaublich. Doch so ist das eben hier in Südindien: Alle Manager sind ganz furchtbar wichtig und selbst im 1 Sterne Hotel, sind sie ganz stolz auf ihre Bruchbude. Und ehrlich, die sind teilweise so goldig, ich kann denen gar nicht böse sein – schließlich kennen sie ja nichts anderes. Neuester Trend in Südindien: Jacuzzi Villas, drumherum bricht alles zusammen, der Heißwasserboiler ist entweder defekt oder sprüht elektrische Funken, der Klodeckel fällt aus der einzigen, verbliebenen Schraube, aber, mittendrin: das funkelnagelneue Badewannen-Monster. Maaaam, that’s our premium category: the jacuzzi villa, enjoy your stay. By the way, plan 90 minutes for it to be filled.

Indische Tempel als beeindruckende Zeitzeugen

Was für eine SchöneJa, eine Sache noch. Ich bin ja nicht unterwegs in Jahreszahlen und wirklicher Geschichtskenntnis. Aber, mein Fazit dieser gefühlt zwanzig Tempel ist: Unglaublich, was da mit purer Handarbeit geschaffen wurde. So eine Säule im Tempel (im Schnitt gibt es da ein paar Hundert) brauchte ein Leben um erschaffen zu werden. Feinste Gesichtszüge, Blüten, Interpretationen… die Tempel sind irgendwie für die Menschen damals wie eine Tageszeitung  gewesen. Alle Wände sind gefüllt mit Lebenssituationen und Weisheiten zum Alltag. Tausende von Bildern in Stein gemeißelt per Hand.

Apropos: Schaut man sich das Schönheitsideal von damals an, hat sich irgendwie nichts geändert (siehe Foto rechts).

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