Pondicherry and beyond

0

26. Dezember 2014: Pondicherry

Zum ersten Mal habe ich durchgeschlafen und ohne Jetlag ist meine Reise noch aufregender. Dann morgens vor der Haustür: Willkommen in Frankreich. Zumindest für fünf Straßenzüge. Pondicherry war nämlich ‚die‘ Bastion der Franzosen. Und so sieht es hier auch aus, wie in einer Kleinstadt in der Provence, etwas irritierend ist allerdings die Kulisse der bunten Saris.

Das Beste: der Kaffee. Ich sage ja immer: nichts vom Straßenrand. Aber der gute Kaffee ist schon eine Sünde wert. Sein süßes Aroma erhält er durch eine Brise Zichorie.

Über einen Kanal von Indien nach Frankreich hin zu einer Kirche mit eigenem TV-Sender

„Do you have your passport?“, fragt mein Guide und lächelt. Denn die Stadt besteht aus zwei Teilen: Zum einen aus der weißen Stadt mit französischen Villen und baumgesäumten Straßenzügen und zum anderen aus der schwarzen Stadt, die wiederum total indisch ist. Zwischen diesen Städten liegt ein Kanal. Nur fünf Meter sind es zu laufen und man wechselt quasi von Frankreich nach Indien. Und: An jeder Ecke gibt es eine schräge Geschichte. Zum Beispiel die über die katholische Kirche Sacred Heart, denn die hat ein ziemlich ungewöhnliches Marketing; der Gottesdienst ähnelt eher einer Party, die Deko ist schrill und bunt und die Jungfrau Maria trägt einen Sari, weshalb die Fangemeinde groß ist. Die Kirche ist so beliebt, dass sie mittlerweile einen eigenen TV Sender mit dem passenden Namen Lourdes TV hat.

Hinter der Kirche gibt es dann ein paar sehr luxuriöse Häuser. Die gehören den zurückgekehrten indischen ‚Rentnern‘, die sich meistens in der französischen Armee eine Staatspension erdient haben. Es waren damals viele aus der Kaste der Unberührbaren,  die ausgewandert sind. Zurück kamen sie als Reiche, mit eigenen Fantasienamen, neuem Selbstbewusstsein und fast ein bisschen Standesdünkel – beim Abendessen zu Hause wird naturelement Französisch gesprochen.

Großes Kino der Sinne auf dem Blumen und Gemüsemarkt

Ein weiteres Highlight ist der Blumen und Gemüsemarkt. Hier erlebt man ein ganz großes Kino für Augen, Ohren und die Nase. Die Händler sind super nett, überhaupt nicht kamerascheu und irgendwie auch nicht so richtig vom Tourismus entdeckt. Ich hätte dort den ganzen Tag verbringen können. Danach wahrscheinlich mit zahlreichem Familienanschluss, denn die waren alle ganz goldig. Ich musste alles probieren und war danach mit Blumengirlanden dekoriert wie eine Tempeltänzerin.

Begegnung der ‚dritten‘ Art: Auroville

Nachmittags hatte ich dann eine Begegnung der ‚dritten‘ Art. Auroville, eine geplante internationale Stadt für Freidenker.

SAMSUNG CAMERA PICTURES

Das hier ist eben kein Ufo, sondern der Mittelpunkt einer Ansiedlung 45 Minuten von Pondicherry entfernt, zu deren Grundsteinlegung Vertreter aus 121 Ländern ein Schäufelchen ihrer guten Erde dort in eine große Urne schippten. 50.000 Menschen sollen hier einmal leben, rund um dieses goldene Ei, das Matrimadir, eine riesige Meditationshalle. Beleuchtet wird es durch einfallende Sonnenstrahlen, die mit Hilfe einer Linse von Carl Zeiss über eine Kristallkugel im Innern durch das komplette Meditationszentrum geschickt werden können. Knapp 2000 Einwohner hat die Siedlung jetzt, darunter 10 Prozent Deutsche. Vielleicht war es am Anfang ein bisschen en vogue, ein bisschen Hippie, aber da hier hart gearbeitet wird, hat sich das mit dem Leichtsein wahrscheinlich schnell geklärt.

Die alten schwarzweiß Fotos zeigen irgendwie Freiheit, Kinder auf Entdeckertour und Unkonventionalität. Ambitioniert, wenn man sich dann das Umfeld Südindiens drumherum anschaut.

Südindien – Land der großen Schatzsuche

Ja, mir schwirrt der Kopf und die Augen können das Alles kaum noch aufnehmen. Dieses Land ist wie ein große Schatzsuche: aufregend, faszinierend und immer wieder für eine große Überraschung gut. Und manchmal hat es auch kein Internet, daher klappt es mit dem Reisetagebuch nicht so ganz pünktlich wie geplant. Aber sobald ich wieder Empfang habe, gibt es mehr davon, dann zum Thema der Götter, Tempel und Zeremonien.

Namaste oder Namaskar, die sprechen hier einfach alles.

Kommentare ( 0 )

    Leave A Comment

    Your email address will not be published. Required fields are marked *